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Jeschurun · 1858-07-01 · Heft 10 (Juli 1858) · p. 536

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Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 10 (Juli 1858)
Article
Zur jüdischen Schulfrage
Date
1858-07-01
Page
536 (sequence 11)
Language
German
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536 Zur jüdischen Schulfrage, HL selig, wenn wir uns schon dieses unjüdischen Ausdrucks bedienen sollen, sondern stets nur die aus reiner Gesinnung erblühende sittltche That; wohl aber wahre und falsche, der Wahrheit näher kommendc und sich von ihr entfernende, möglicher Weise wahr sein könnende und notwendigerweise falsch sein'müssende Auffassungen! Denn, um allen absichtlichen und unabsichtlichen Mißverstandniffen zu entgehen, sprechen wir.es hier ein für allemal aus:: der höchste Grad der Wahrheit, den eine Auffassung, resp. Erklärung sei es eines Verses, sei es eines Gesetzes, sei es eines Kreises von Naturerscheinungen, für sich in Anspruch nehmen kann, besteht darin wahr sein zu können. Wenn der Vers nach Bedeutung und Stellung und Form der Worte, dem Sprachgebrauche und Zusammenhang und etwasonst bekannter Absicht desVerfasstrs gemäß den den die Erklärung herauszuschöpfen vermeint, haben kann; -- wenn das Gesetz nach allen seinen Einzelheiten sich so verhält, daß nach der versuchten Theorie sie alle zu einem Ganzen sich dereinigen, aus Einer Idee zu stießen scheinen; — wenn alle die einzelnen Naturerscheinungen sich ungezwungen aus der Hypothese ableiten und nach ihr erklären lassen: so nennen wir die Erklärung, resp. Theorie oder Auffassung, resp. Hypothese — eine wahre, d. h. cs verhält sich alles so, daß sie wahr-seinkann?) Je höher und erhabener eine Wahrheit ist, desto zahlreichere und mannichfaltigere Verhältnisse erhellt sie, <tuf desto zahlreicheren und mannichfaltigeren Wegen mag man zu ihrer Höhe gelangen, aber sie, die Wahrheit, ist stets dieselbe, einzige. Sie bestrahlt alle die verschiedenen Wege und belenchtet ans den verschiedenen Seiten die verschiedensten Berhältnisse — aber darum ist nicht jeder Weg ein zu ihr führender, nicht eine jede Seite eine ihr zugewandte. ׳ Im höchsten Grade gilt dies von der höchster! Wahrheit, der Thorah. Wohl in sieben mal siebenfältiger Auffassung mag die Thorah sich als wahr bewähren, die Auffassung desselben Thorah-Wortes, weil sein Wahrheitsstrahl auf verschiedenen Standorten dem Geistesauge der verschiedenen Denker aufgegangen: aber dann ist eine jede dieser Auffassung eine ״ ׳objektiv", d, i. nicht bloß deßh alb wahre, weil sie der Subjektivität, der Laune, Disposition und sonstigen Ansichten der Herren A. od. B. entspricht. Oder meint Herr Anonymus wirklich, das Gebiet derThorah sei ein freies Feld, wo jeder Willkühr Thür und Thor geöffnet sei? So wenig sich auch *) Vergl. Grundlinien einer jüdischen Symbolik, 1. Iahrg. HI., SeptembcchefL.

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