Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1858)
- Article
- Thamus
- Date
- 1858-07-01
- Page
- 505 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932860-2942471--03747-2942503- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ThamuS. 505 |flct)cn. Hat ja nicht die Priester und die Gelehrten, hat ja Gott! sein ganzes Volk am Sinai nm sich versammelt und ihm, der jüdischcn Gcsammtheit, sein Feuer-Gesetz überantwortet. In jeder Hütte , vererbt sich daS Gottcsgesetz, jeder Sohn wird zum Streiter Gottes, zum Vollstrecker und Anwalt des göttlichen Gesetzes geboren. Wo zehn von ihnen zusammen sind da weilt die Schechina unter ihnen und der jüngste Sohir des letzten Geschlechts tritt priesterlich in ihre Mitte hin, als Repräsentant der Gcsammtheit und Namens der Gcmeindc das heiligste jüdische Bekcnntniß, die heiligste Verheißung auszusprechen, ja im Namen Gottes die Gemeinde nufznsvrdern mit ihn; Gott zu heiligen und sich mit ihm dem Dienste Gottes zu weihen. Das jüdische Volk ist kein Thierorganismus, der Leben und Bewegung nur in einzelnen Keruorganen trägt und dessen Glieder der Berwcsung verfallen, so das Herz dem Leben abgestorben. Das jüdische Volk ist ein lebensvoller Baum, in jedem seiner Thcilc wiederholt sich das Leben des Ganzen. Entblättert ihn, zersplittert ihn, der letzte Zweig, das letzte Blatt, die letzte Wurzelsnser genügt darin wieder daS Ganze zu retten und in lebensfrischer Verjüngung den alten Banin in noch reicherer Blüthe wiederherznstellen. Darin liegt ja eben das Geheimnis; der Unsterblichkeit dieses Volkes, und darum eben ist es so unverwüstlich gewappnet gegen alle Zerstreuung und Zersplitterung, in welche die Stürme der Zeit es auseinandcrreißen mögen. Eben darum sollte cs aber auch gegen die Verirrung seiner Priester und Gelehrten gerüstet sein. Es hat ja nicht das göttliche Gesetz aus ihren Händen hinzuuehmen; vielmehr haben sic es ans seinen, ans den Händen der jüdischen Gesammtheit hingcnommen, dieses heiligen nnantastbarcn Gottcsschatzes mit aller Hingebung zu warten, in seine Tiefen sich zu versenke», seine Herrlichkeiten in Beispiel und Wort zur Anschauung zu bringen. ״So des Priesters Lippe die offenbarte Gotteserkenntnis; wahrt, nicht schafft, nicht mit Anderem vertauscht, — so wird inan das Gvttesgesctz von seinem Munde suchen, so er als Gottcshcrold engelgleich in Lehre und Leben dasteht.". Wo aber nicht — da ist das Volk selber Richter seiner Priester und Gelehrten. Es mißt seiner Priester, seiner Gelehrten Lehre und Leben an dem ewig gültigen, Allen bekannten, Allen zugänglichen Maßstabe deS göttlichen Gesetzes. So die Priester, die Gelehrten nicht mehr Gottes, nicht mehr seines heiligen Gesetzes Priester und