Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1858)
- Article
- Thamus
- Date
- 1858-07-01
- Page
- 502 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Thainus. 50,2 Großes und Kleines, Wesentliches und Unwesentliches von einer Persönlichkeit wissen; aber sie geht an uns vorüber und wir kenneu sie nicht, sic steht vor uns und sie ist uns fremd. So können wir die ganze Wissenschaft von Gott und den göttlichen Dingen erschöpft haben, es kann uns seine Offenbarung in der Thora, in der Natur, in der Geschichte klar geworden sein und wir sind doch mit allem dem nur 7111m חופשי, haben die göttliche Wissenschaft nur mit Händen ergriffen, sic ist uns gleichwohl nur ein Aeußeres geblieben, eine Disctplin, eine Wissenschaft, ein System, denen unsere Denkkraft und unser Gedächtniß angehören, von denen aber unser Herz und somit unser Leben nichts weiß. Wir können das Alles erforscht und studirt haben und haben Alles darin, nur nicht uns selber gefunden, wissen von Gott in seinem Gesetze, in der Natur und Geschichte Bescheid, aber er ist nicht unser Gott, und wir sind nicht sein Kind und Diener geworden, sein Gesetz ist nicht unser Gesetz, der kleine Punkt, den wir in Natur und Geschichte ausfüllm, ist nicht sein, und während wir von seiner Herrlichkeit in Natur und Geschichte zu predigen wissen, vergessen wir unser eigenes Leben in Natur und Geschichte zu einem Tempel seiner Herrlichkeit zu weihen. Kurz, wir können die ganze Wissenschaft des Judenthums ergründet haben, — wie wir ja auch die Religionssysteme der Griechen und Römer, der Pescherähs und Huronen ergründen, — aber es ist dies Alles nicht unsere Wissenschaft, die Wissenschaft von uns und unfern Beziehungen zu Gott und Gottes Beziehungen zu uns geworden, es hat uns dies Alles nicht zu dem einzige» Schritt erhoben, der die Frucht dieses ganzen Studiums, all dieses Wissens und all dieser Gelehrsamkeit sein soll: auf Grund alles Dessen und mit allem Diesem uns selbst in die innigste Gottesnähe emporzuschwtngen, ihn in allen unsern Wegen zu schauen und auf ihn in allen unfern Wegen hinzublichen, mit Gott und vor Gott zu wandeln und all unser Thun und Lassen, unser Denken und Fühlen, Genießen und Handeln von ihm tragen, von ihm letten und durchdringen zu lassen und jeden Athemzug in seinem Umgänge zu verleben. Wir wi ssen von Gott; aber wir kennen ihn nicht. Gott kennen ist keine Abstraktion. Gott kennen ist der praktische Umgang mit ihm in Verwirklichung seines heiligen Will'enS durch unser ganzes concretes, sinnlich geistigesLeben auf Erden und in diesem Umgänge unsere ganze Freude sin-