Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1858)
- Article
- Thamus
- Date
- 1858-07-01
- Page
- 499 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ThamuS. 499 Fett und Nieren, Haupt und Glieder auf den Altar dringt, Brod und Licht im Heiltgthum ordnet und den Räucherdnft vor der Lade cmporsteigen läßt — oder ob dies Alles durch ihn, oder unter seiner Leitung in Worten des Gebets und des Gesangs vollbracht wird, das gilt für diese Betrachtung völlig gleich. Hier wie dort, wenn ihm der Gottesdienst des Opfers oder des Gebets die Summe und das All der ״jüdischen Religion" bedeutet, ja wenn er auch nur in ihm deren vorzüglichste Manifestation erblickt, wenn er befriedigt ist, so nur ״dem Tisch des Herrn" die reichlichen und pünktlichen Opfer nicht fehlen, so er nur die Räume des Gotteshauses mit der Menge der ״Andächtigen" sich füllen steht, wenn er in seinem Gotte sich selig fühlt wenn nur Opfer und Weihrauch, Jozer und Muffas, Predigt und Gesang, dem Gesetze, dem Schulchan Aruch, dem allerneuesten Programm der Synagogenordnung gemäß, ohne Störung, in andächtiger Weise ״vorgegangen" und Allem und Jedem Znschauer und Schauerinnen, Zuhörer und Hörerinnen, Mitbctende und Mitstngende nicht gefehlt — aber er nicht draußen sich umsieht, nicht mit seiner Frage: '״?איה רWo ist denn nun Gott? Gott, mit seiner Läuterung und Weihe, Gott mit seiner Gnade und seinem Segen?" das Leben außer dem Tempel, der Synagoge, dem Gotteshause durchdringt, dort nach der Frucht des Gottesdienstes forscht, dort den Segen des Gottesdienstes sucht, und Tempel und Altar, Opfer und Weihrauch, Gebet und Predigt nicht völlig vergebens achtet, so nicht durch alles dies das göttliche Gesetz, die Erfüllung des göttlichen Willens und mit ihr die Gewinnung des göttlichen Wohlgefallens und Segens, in das Leben der ״Andächtigen" eingesührt wird, — wenn er diese Frage nicht kennt, wenn ihm diese Frage nicht am Herzen liegt, wenn er sogar durch den ordnungsmäßigen Bestand des Gottesdienstes sich dieser ganzen Frage überhoben wähnt, und er in dem Tempelgvttesdienst einen Ersatz für die Gegenwart Gottes im Leben, für den Dienst Gottes im Leben erkennt —: dann ist sein Gott ein todter Götze, eitler Fetisch-Weihrauch ist sein Opfer und sein Gebet, und trotz Talar und Tiara, trotz Firmelnng und Wethe ist er der 'כחן ד, der Priester des Herrn mit Nichten! Aber im Gottesdienst liegt nicht der Schwerpunkt des Judenthums; Tempel und Priester, Opfer und Gebet sind nicht die vor-