Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1858)
- Article
- Noch ein Wort zur jüdischen Schulfrage
- Date
- 1858-06-01
- Page
- 476 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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476 Noch et« Wort zur jüdischen Schulfrage. lügt die Wissenschaft, oder die Wissenschaft hat Recht, dann ist die Thora eine Lüge." Als vor mehreren Jahrhunderten die gläubige Christenwelt in die größte Aufregung durch Galiläi'S ״Und sie dreht sich doch" versetzt wurde, scheinen die jüdischen Kreise wenig davon berührt worden zu sein; einesthetls wohl, weil sie sich unter dem schrecklichen äußern Druck der damaligen Zetten zu sehr in das einzige Gebiet, das ihnen Ersatz für alle Leiden bot, in das Gebiet des ThorastudtumS versenkt hatten, um dem geistigen Treiben auf andern Gebieten des menschlichen Denkens ein aufmerksames Ohr zu leihen; größtentheils aber weil sie die Erde sich ruhig drehen ließen und hinterher riefen: ״Die Thora ist doch wahr!" Sie waren sich vollkommen bewußt, daß kein Ergebniß der menschlichen Forschung in ihnen die Ueberzengung von der innern Wahrheit der Thora erschüttern könne. Heute weiß jedes Kind und es hat dazu nicht erst des Foucault'schen augenscheinlichen Beweises bedürft, daß die Erde sich dreht; ebenso aber, daß die Ausdrücke: ״Die Sonne kommt und geht und steht", nur der sinnlichen Anschauung angepaßte Ausdrücke sind, gerade wie wir auch im Deutschen, trotz des coperntkanischen Systems, von Sonnenaufgang und Untergang sprechen. Die Wissenschaft hat also, weit davon entfernt der Thora zu widersprechen, unsere Auffassung der betreffenden Stellen zu bcrichtigen, uns vielmehr gelehrt, sie besser zu verstehen, als das bis dahin der Fall war und so wird es mit jeder neuen Wahrheit gehen, die der menschliche Geist entdeckt. Aber Eins müssen wir be! dem Allen festhalten und der Lehrer kann, unserer Ansicht nach, es nicht genug seinen Schülern einprägen, daß die Thora überall kein Lehrbuch der Naturwissenschaften sein soll und will. Indem sie dem Menschengeist die große Aufgabe gelassen, die Gesetze selbstständig zu erforschen, nach welchen die Materie lebt und wirkt, verkündet sie die Gesetze, nach denen der Mensch und speciell der Jude leben und wirken soll, und wo die Thora nebenher jenes der Forschung gegebene Gebiet berührt, geschieht cs nur zum Zweck dieser Verkündtgnng. Der Stoff ist aber nur die Hülle, die nur in sofern Werth für uns hat, als wir in ihr und durch sie den geistigen Inhalt zu erforschen und zu erkennen haben, den auözudrücken ge-