Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1858)
- Article
- Noch ein Wort zur jüdischen Schulfrage
- Date
- 1858-06-01
- Page
- 475 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Noch ein Wort zur jüdischen Schulftage. 475 Muth gehabt, der die Vorzeit ausgezeichnet, und der heute Gottlob an mancher Stelle wieder aufzuleben scheint, den Muth, unsere geistigen Feinde mit ihren eigenen Waffen, mit den Waffen des Geistes und der Wissenschaft zu bekämpfen, hätte man unsere Zugend gewöhnt, diesem Kampfe zuzusehen und hätte man ihr von Kindheit an die Mittel an die Hand gegeben, den Kampf selbst durchführen zu können, wie viel weniger hätte man heute zu kämpfen, wie gesichert und angebauet wäre vielleicht der Boden, aus dem wir heute noch jeden Fußbreit mühsam erringen müssen. — Freilich muß der Lehrer um dieses Ziel zu erreichen, eine bet weitem vielseitigere Ausbildung haben, als wir sie bei unfern Fachlehrern, namentlich den Lehrern der speciell jüdischen Fächer antreffen und wie wir sie größtentheils voraussetzen dürfen. Wie wenige von denen, die in Haus und Schule, zum Theil um ärmlichen Lohn, den ״hebräischen Unterricht" crthetlen, wissen, was auf andern Gebieten vergeht, und unter diesen, wie Mancher der von den neuern Erscheinungen auf dem Gebiete der Wissenschaft nur ans dem socialen Leben, aus oberflächlichen Gesprächen oder höchstens durch Zeitschrtftenlektüre erfährt. Wie gering ist die Zahl der Lehrer, die scheinbar fern liegende Zweige der Forschung, wie z. B. die Naturwissenschaften, ein Feld auf dem der Kampf des Glaubens mit dem Wissen jetzt vornehmlich geführt wird, sich so zu eigen gemacht hätten, daß sic sich ein selbstständiges llrtheil zutrauen dürften, daß sie mit Bestimmtheit dem Schüler sagen können: ״Das ist unerwiesenc Hypothese, und jenes ist unumstößliche Wahrheit, und wo die Bibel in ihrem wortlichen Ausdruck dagegen zu sprechen scheint, ist es nur der Ausdruck, den die Bibel, die eben keine Naturlehre zu schreiben beabsichtigt, der sinnlichen Anschauung aupaßt", wie das doch unleugbar bei allen ihren Anthropomorphismen der Fall ist. Zn diesem Punkte werden wir freilich noch manchem Widerspruch zu begegnen haben; auch mit Herrn vr. Hirsch, scheint cs, haben wir uns noch zu verständigen. Wir sind nämlich weit davon entfernt anzunehmen, daß wir in allen Fragen, in denen wir aus einen scheinbaren Widerspruch der Thora mit den Ergebnissen der Forschungen stoßen, ein Entweder Oder zu stellen haben: ״Entweder hat die Thora Recht, dann