Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1858)
- Article
- Siwan
- Date
- 1858-06-01
- Page
- 447 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932859-2942380--03668-2942414- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
447 schänder gethari? War er zur Predigt ausgeblieben? Hatte er eine falsche Note im Chor gesungen? Hatte er gegen die ״Synagogenordnung" verstoßen? Nein! Er hatte ein paar Reiser aus dem Felde aufgelesen!! Das steht auch in der Thora, aus deren Göttlichkeit ihr eure Zugend ״konfirmtrt" — — Das war wahrlich nicht der Sinn des alten "״געשה ונשמע mit welchem unsere Väter am allerersten Schäbuothfeste in den Gottesbund zur Thorah traten, daß sie oder ihre Söhne und Enkel jederzeit 'כל אשר דברד, alles, was Gott geboten, erst vor das Forum ihrer Klugheit und Neigung, ihrer Einsicht und Ansicht laden und die alte ewige Verfassungsurkuudc immer einer Revision unterziehen sollten um in Hinblick aus Zeit und Umstände, aus Lage und Verhältniß zu bestimmen was und wie viel noch von den Gesetzen Gottes zur Geltung zu kommen habe oder nicht. Das war nicht der jüdische ״Leichtsinn", um welchen die Heiden die Juden das עמא ברוא , das leichtfertige Volk schalten, das den Mund versprechen ließ, ohne daß das Ohr vernommen und geprüft, der aber in den Augen unserer Weisen eben Israel in den Chor der Gott dienenden Genien hob, die, נבור׳ בה עושי דברו לשמוע בקול דברו, die ״kraftgerüstet sein Wort vollstrecken um seinem Worte gehorsam zu sein," die, wie Jesaias sie schaute, mit zwei Flügeln sich das Angesicht, mit zweien die Füße sich verhüllen und mit zweien dahin fliegen, im Dienste Gottes nicht fragen wo sie stehen, nicht fragen wohin es führt, Ang und Fuß verhüllt dahin eilen, wohin Gott sie ruft, die wie Jecheskeel sie geschaut ״geraden Fußes vor Gott stehen", und wohin sein Geist sie weist dorthin wandeln und nimmer abweichen von ihrem Gange — das ist vielmehr die ganze heidnische Weisheit, die das Gottesgebot an den Menschen nicht kennt und nur dem Gott und seinem Orakel in der Menschenbrust lauscht — — Das war endlich nicht , der Sinn jener seligen Verheißung, mit welcher Gott uns am Sinai entließ: בכל המקום אשר.אזכיר אה שמי אבוא אליך וברכתיך, daß es gleichgültig wäre, wie und wo und womit wir uns zu Gott erhüben, daß — wie das so gerne von den Orakeln unserer modernen heidnischen Weisheit gepredigt wird — daß aus die andächtige Regung allein alles ankomme, alles Uebrige nur Form, nur gleichgültige und gletchgeltende Form sei, die der