Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1858)
- Article
- Aus Hannover
- Date
- 1858-05-01
- Page
- 422 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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422 Aus Hannover. Ansichten und Principten, gegen welche dieser Vorwurf zunächst gerichtet ist. Wir haben gesagt, daß wir unseren Orts nicht Stundenplan , Programme und Reden fragen und hören' zur Gewinnung eines Urtheils über eine Lehranstalt, daß wir uns vielmehr Lehrer und Schüler ansehen und an elfteren die Frage richten, nicht nur; was hast du gelehrt, sondern auch ebenso ernst, wie hast du gelehrt und an letzteren die Frage, was hast du empfangen und wie hast du empfangen; daß wir untersuchen würden, ob der Geist des künftigen Lehrers durchdrungen sei von der > Wichtigkeit, der hohen Bedeutsamkeit seines Berufes, sein Gemüth erwärmt für das, was er der kommenden Generation zu bringen habe; und meinten die Aufgabe eines jüdischen Volkslehrersemtnars bestünde darin, solche Männer zu bilden, die vermöge ihrer Kenntnisse den gewöhnlichen Elementarunterricht zu ertheilen befähigt sind, die aber zugleich damit Liebe zur Wissenschaft im Allgemeinen, gänzliche Hingebung an ihren Beruf und vor Allem Begeisterung für das Heiligthum verbinden, dessen Pforte sie der Jugend zu öffnen haben. Die Lösung dieser Aufgabe erblickten wir darin, daß den Seminaristen die erforderlichen Lehrgegenstände in einer solchem Art und Weise zügrführt würden, daß sie Liebe zu denselben gewännen, daß ihnen das' Gegebene nicht Sättigung, sondern Reizmittel sei, mehr zü erlangen. Wir meinten ferner, daß die Leiter des Seminars im Umgan'gc mit ihnen die Anwendung des Gelehrten auf's Leben thatsächlich zur Anschauung bringen, und dadurch fördernd auf ihre Sitten, ihren Geschmack und ihre Neigungen einwirken müßten, daß das Seminar keine Schule, welcher das Haus gegenüber steht, sondern beides, Schule und Haus sei und der aus der Fremde hierherkommende Seminarist in dem Umgänge mit den Leitern des Seminars die Stelle ׳des Hauses vollkommen ersetzt finden müsse; det Seminardirektor soll ihm Freund, väterlicher Rath/Vorbild sein. Wir waren der Ansicht, daß, wenn der Unterricht im Seminar thetlweise nachlässig und geschmacklos ertheilt würde, der Seminarist nicht zur Lust und Liebe zur Wissenschaft'erregt würde,׳ daß, wenn der Seminarist in gar keine nähere Beziehung zu seinen Vorgesetzten trete, er in ihnen auch nicht seinen Freund, - seinen väterlichen Rathgeber, sein Vorbild erblicken könne; daß, wenn er häufig genöthigt sei sein Mittagsmahl in Gesellschaft des Küchen-