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Jeschurun · 1858-05-01 · Heft 8 (Mai 1858) · p. 386

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 8 (Mai 1858)
Article
Ijar
Date
1858-05-01
Page
386 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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386 A«r. Sichelschwinge über den eigenen Acker, die nnr in der Erinnerung ihm noch lebte, zu dem Feste der Thorah hin, die sein ewiges unverlorenes und unverlierbares Etgenthnm geblieben, die ihm in den Jahrhunderten der Nacht Freiheit und Boden ersetzte und durch die und für welche ihm allein einst am Morgen der Verjüngung wiederum Freiheit und Boden winkten? Wohl mochte es mit Recht, wenn cs seine Tage und Wochen vor Gott zählte, den Wunsch laut werden lassen, daß es doch ״sein heiliger Wille sein möge, sein Heiligthum wieder in unfern Tagen zu bauen und uns unser ganzes, unser volles Theil an seiner Thorah finden zu lassen!" Ja, wohl mochte der Brauch der Väter eben an diese Zählung die Hoffnung knüpfen, daß ״Gott einst wieder seine Gnade uns zuwenden, uns seinen Segen geben und sein Antlitz bei uns und mit uns leuchten lassen möge!" Denn haben wir nicht eben nur dadurch diese Gnade verscherzt und diesen Segen verloren, hat nicht eben nur darum Gott sein leuchtendes Antlitz von uns abgewendet, weil — wir eben diese Zählung, die Zählung von Freiheit und Land zur Thora vergessen? Jedes Blatt der Geschichte unseres staatlichen Unterganges bezeugt es, daß wir nur dadurch Freiheit und Boden eingebüßt, weil wir Freiheit und Boden als letztes höchstes Ziel begriffen, weil wir nicht von Freiheit und Boden zum Gesetze, sondern vom Gesetze zu Freiheit und Boden hin unsere Tage und Wochen zählten, weil uns nicht nach jüdischer Wahrheit Freiheit und Boden nur soviel galt, als sie uns die Mittel zu einer immer voller» Erfüllung des göttlichen Gesetzes gewährten, sondern nach Art des Völkerwahns auch das göttliche Gesetz uns nur so viel bedeutete, als es uns Freiheit und Boden gewährte, Freiheit und Boden ficherte, Freiheit und Boden wahrte; wo wir aber Gewährung, Sicherung und Mehrung der Freiheit und des Bodens auf andere Weise und durch andere, überall sonst beliebte Mittel besser und selbstständiger ermitteln zu können vermeinten, wir das göttliche Gesetz als nutzlos gewordenes, antiquirtes, abgestandenes Hemmniß gedankenlos in den Kauf dretngaben— dieser Kauf aber immer in Täuschung endete, inzwischen uns jedoch die einzige Bedingung verloren gegangen, an welche nun einmal für Israel einzig und allein eine jegliche Hoffnung auf Freiheit und Boden geknüpft ist. Erst daher wenn die Erfahrung der Jahrhunderte ihre Frucht

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