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Jeschurun · 1858-05-01 · Heft 8 (Mai 1858) · p. 385

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 8 (Mai 1858)
Article
Ijar
Date
1858-05-01
Page
385 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Jjar. 385 war ihm der Boden geworden, aus dem ihm die Blüthen einer ewig frischen Jugend crsprossen, und war ihm Schwerdt und Lanze, Helm und Panzer geworden, die es sich die stolzeste Freiheit mitten i» aller äußern Erniedrigung erstreiten und bewahren halsen. Und wenn es nun um sich schaute und Vergleichungen anstellte, wie sehr stieg ihm da der Werth der Thora, wenn es sie mit allem andern verglich, worauf sich ringsum von Jahrhundert zu Jahrhundert das Leben der Völker entwickelte! Da wanderte es hin wie seine ersten Väter einst, von ״Volk zu Volk, von Reich zu Reich", wanderte mitten unter Völkern, die Freiheit und Boden besaßen, aber zur Freiheit und zum Boden des göttlichen Gesetzes entbehrten. Und mitten unter diesen sretheitstolzcn, bodenmächtigen Völkern, es allein die zerstreute Heerde eines Gottesgesehes ohne Freiheit, ohne Boden, — welche Blüthe des Menschen veredelnden, Menschen beglückenden Menschlichen sähe es bei diese!: Völkern der Freiheit und der Bodenmacht, wenn es sie verglich mit den Blüthen, die dieses Gottesgesetz bei ihm gezeitigt, selbst in Zeiten gezeitigt, in welchen ihm das Fleckchen Erde streitig gemacht wurde, wo es die Wiege seiner Kinder stellen, und die Gräber seiner Eltern bereiten konnte und in welchen ihm von Recht und Freiheit nur so viel gelassen war, als dem Interesse des fremden Fiskus fröhute — hatte es nicht Recht, wenn es mit doppelt heißer Inbrunst seinen einzigen Gottesschatz umklammerte, der es vor Barbarei und Entartung schützte, die es überall auswuchern sah, der bei ihm ein frisches Geistesleben, eine Klarheit des Blickes, eine Reinheit der Sitte, eine Milde der Gestnnung, eine.Seligkeit des Familienlebens, eine Biederkeit der Genossenschaft zeitigte, von denen die es verhöhnende Völkcrwelt keine Ahnung hatte? Und wenn es nun sah, wie bald die Völker auf dem eigenen Boden die Freiheit und nach der Freiheit den Boden und mit beiden sofort die Völkerexistenz überhaupt einbüßten und mit aller ihrer Macht und ihren Freiheiisträumen wie Seifenblasen in Nichts verschwanden — und es — es — nur mit seiner Thorah im Arme — immer weiter — immer weiter — mitten durch Nacht und Nebel über Aschenkrüge und Mausoleentrümmer der Völker seinem ewigen Morgenroth der Verjüngung zu eilte — da hätte es seine Tagen- und Wochenzählung nicht sortsetzen sollen von dem Feste seiner Freiheit, die ihm so schmerzhaft verkümmert, von der

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