Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 6 (März 1858)
- Article
- aus Hannover
- Date
- 1858-03-01
- Page
- 323 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932856-2942094--03473-2942164- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Correspondenz «uS Hannovei 323 Aus dem wasMerr K. von dem Bildungsgrade der neu ankommenden Seminaristen bereits mitgethetlt, geht schon klar hervor, daß von einem tieferen Eingehen in irgend einen Gegenstand hier gar keine Rede ist und daß hier nicht die Qualität des Erlernten das Quantum ersehen kann. Wir enthalten uns billiger Weise jeder weiteren Bemerkung über diese Thatsachen und überlassen es dem Ermessen eines jeden Einsichtsvollen sich selber ein Urthetl zu bilden. Wenn nun einerseits der Unterricht der Art ist, daß die künstigen Erzieher keineswegs hinreichende Kenntnisse, noch Liebe zu denselben erlangen, so geschieht auch anderseits gar Nichts, was für ihre Stellung als Volkslehrer dereinst nützlich und fördernd aus ihr äußeres Benehmen, ihr ästhetisches Gefühl, ihre Neigungen wir-- ken könnte. Von einem Umgänge mit den Lettern des Seminars ist gar keine Rede: wir glauben keine allzugewagte Behauptung auszusprechen, wenn wir versichern, daß kein einziger Seminarist von dem Seminardirektor eines näheren Umganges gewürdigt wird, daß kein einziger Seminarist in dem Seminardirektor seinen Freund, seinen väterlichen Rathgeber, sein Vorbild erblickt, wie cs nach unserer oben angeführten Meinung der Fall sein sollte. Die Leiter des Seminars thun Nichts, um den Seminaristen, ihren dereinstigen Amtsbruder, zu sich heranzuziehen; der Seminarist würde nicht einmal ihre Wohnung kennen, wenn ihm nicht die Besorgung irgend eines Dienstes, eines Weges für dieselben die Hausnummer gelehrt hätte. So hat der aus der Fremde htcrherkommende Seminarist gar kein Haus, das er besuchen kann, entbehrt jeder Anregung von Oben. Was Wunder, wenn er von Anderen zurückgestoßen wird, was Wunder, wenn ihm das durch die Wohlthätigkeit der hiesigen Gemeindeglieder gewährte Mittagbrod in gar manchen Häusern in der Küche gereicht wird und er von den Unterhaltungen und Manieren des Küchenpersonals gerade nicht viel Nützliches und Anregendes prositirt. — Wie konnte das auch ausbleiben! Sieht der Geschäftsmann, wie dem Seminaristen von seinen Vorgesetzten, gewissermaßen seinen Standesgcnossen, begegnet wird, wie er von ihnen zurückgewiesen wird; hört er, zu welchen Aeußerungen diese!- ben sich beim Unterrichte gegen die Seminaristen öfters Hinreißen