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Jeschurun · 1858-03-01 · Heft 6 (März 1858) · p. 316

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Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 6 (März 1858)
Article
Streitbare Juden im Mittelalter
Date
1858-03-01
Page
316 (sequence 2)
Language
German
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316 Streitbare Juden im Mittelalter. Eine so allgemeine und tiefe Verachtung der Juden, wie sie sich in Schriften ans dem stebenzehnten und dem Anfang des achtzehnten Jahrhunderts z. B. in Schudt's jüdischen Merkwürdigkeiten, in Eisenmengers entdecktem Judenthum, im abgestrciften jüdischen Schlangenbalg, in Wuchcrfeind's verdammlichen Judenspieß, im schwer zu bekehrenden Judenherzen u. s. w. aussprtcht, hat sich wohl erst in späterer Zeit aus gebildet. ״Es ist", sagt Schudt, ״das jüdische Volk, weil sie den Weltheiland, verachtet, verspottet und verworfen haben, wieder von Gott in solchen Spott und Verachtung unter allen Völkern gesetzt worden, daß fast Jeder-- mann, wer sie nur ansieht, seinen Spott und scherzhafte Kurzweil mit ihnen treibt, sie verlacht und verhöhnet; ja ihr bloßer Name wird für eine Beschimpfung und rechte Injurie gehalten, denn es gewiß ein rechtschaffener Mann für eine große Injurie aufnimmt, so man ihn einen Juden wollte heißen, und ist sonderlich bet den Moskowitern, wie Olearius berichtet, keine größere Beschimpfung, als so man einen Moskowiter einen Juden nennt." — Wenn man mit solchen Augen die Juden ansah, so wird es erklärlich, daß man sie nicht werth halten konnte, in Reih' und Glied mit christlichen Kriegern zu stehen, um auf Schlachtfeldern die Ehre todesmnthiger Kämpfe mit ihnen zu theilcn. Die Juden waren daher nicht kriegspflichtig und erst unsere Zeit hat in den meisten Ländern Europa'S auch den Juden wieder die Waffen in die Hand gegeben, deren man sie Jahrhunderte lang nicht werth gehalten hatte. Dafür nun, daß das frühere Mittelalter ausnahmsweise auch die Juden zum Kriegsdienst heranzog, hat Vulptus (Journal der Vorzeit, Bd.^1, S. 268 ff.) mehrere Belege zusammengestellt, in welchen sich jedoch meistentheils eine sagenhafte Uebertreibung nicht verkeimen läßt; wir wollet! nun zunächst diese Mittheilungen näher ansehen, dann aber dort zwei nicht vermerkte und bedeutendere historische Zeugnisse folgen lassen, welche darthun, daß Juden im Mittelalter und noch zur Zeit der Landsknechte, zuweilen als Soldaten nicht allein geduldet, sondern auch als tapfereKrieger belohnt und anerkannt werden konnten. — Als Beispiel jüdischer Streitbarkeit und Waffenführnng erwähnt bas Journal der Vorzeit zunächst das um 1384 zu Weißenfels abgehaltene Juden - Turnier nach Spangenbergs Manßfeldischer und einer handschriftlichen Chronik; diesen ritterlichen Spaß mußten die Juden aber theuer bezahlen, denn als sie vom Turnier heimrittcu,

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