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Jeschurun · 1858-03-01 · Heft 6 (März 1858) · p. 317

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 6 (März 1858)
Article
Streitbare Juden im Mittelalter
Date
1858-03-01
Page
317 (sequence 3)
Language
German
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Bon Karl Seifart. 317 wurden sie von christlichen Edelleuten überfallen, niedergeworfen und ausgeplündert. Auch die Fortsetzung des Amatus erwähnt eines Juden, der mit ritterlichen Waffe» tapfer stritt, es muß eine solche Figur in der Wirklichkeit nicht ganz unmöglich gewesen sein, sonst würde die Erfindung des Dichters allzu abzusurd erscheinen. Wie aus der weitern Entwicklung des Gedichts hervorgeht, so wollte man freilich nicht dulden, daß ein Jude fich ritterliche Waffen anmaße: ״Ihr seid des ritterlichen Ehrentitels nicht würdig", sagt Don Silves zu den streibaren Inden, ״denn ihr seid Juden, Leibeigene und fremder Gewalt gänzlich unterworfen". — Wenn man nun auch die Juden nicht als katexochän, d. h. als Ritter, dulden konnte, so hinderte das nicht, sie doch unter Umständen als gemeine Krieger, ״Wäppner", ״Goldener", zum Kriegsdienst heranzuziehen und dies mag zu der von Cuspintan mitgethetlten Sage Veranlassung gegeben haben, daß Adolf von Nassau auf der Heerfahrt gegen Frankreich 30,000 Juden mit sich geführt habe. Cuspintan meint freilich, daß der Kaiser diese jüdtsche Armee nur, wie wir uns ausdrücken würden, als Kanonenfutter gebraucht habe: Jnvenio apud autores, qui ex ftde tradunt, in hoc exeicitu triginta millia Judaeorum extitisse, quod 1־ex primum exponere cogitabat. — Als ein historisches Factum kann die fabelhafte Chronikennotiz natürlich nicht angesehen werden, doch war sie als Sage, die immerhin durch einen historischen Anstoß begründet und entstanden sein wird, der Anführung werrh. Verbürgter ist es, daß der Jude Salomon Ben Jochai, im Jahr 1190 eine Armee in Portugal mit Erfolg und Glück befehligte, und daß Juden um 1346 die Stadt Burgos tapfer und glücklich vertheidigten. Auch wird erwähnt, daß die Juden den Christen herzhaft zur Vertreibung der Räuber aus Böhmen beigestauden und zur Belohnung ihrer Tapferkeit eine Synagoge in Prag erhielten. — Nach diesen im Journal der Vorzeit gegebenen Notizen wollen wir nun zwei andere historische Zeugnisse ansehen, welche verbürgter erscheinen und deutlicher für die Möglichkeit einer ausnahmsweise ehrenvollen Stellung der Juden in der damaligen Gesellschaft sprechen. Beide Zeugnisse gehören der deutschen Städtegeschichte an. Die praktischen Bürger machten sich wohl nicht viel Sorge darum, ob einer, der ihre Fehden mit ausfvcht, zu Schildesamt oder über- Haupt zu den Waffen geboren war; wer in ihrem Nutzen tapfer

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