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Jeschurun · 1858-03-01 · Heft 6 (März 1858) · p. 312

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 6 (März 1858)
Article
Moses Mendelssohn's Verhältniß zum herzogl. Braunschweig'schen Hofe
Date
1858-03-01
Page
312 (sequence 5)
Language
German
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312 Moses Mendelssohn'- Verhält-,iß zum Herzog!. Braunschw. Hofe. verweisen und so verlangten sie von der Polizei die Entfernung deS Frankfurter Inden. Nur mit Mühe erhielt Jakob Levin die Erlaubnisi sich zur Einziehung seiner Schulden noch 4 Wochen aushalten zu dürfen. In einem rührenden Briefe klagte der unglückliche Sohn seineu armen Eltern, die er schon oft mit namhaften Summen unterstützt hatte seine Noth und schloß sein Schreiben mit den Worten: ״Es giebt nur noch et» Mittel, mich und mein Geschäft in Kostenzu sichern. Es ist freilich unfehlbar aber ich darf wohl auf eine so große Gnade nicht rechnen. Die Königin von Dänemark ist die Tante Ihres menschenfreundlichen Herzogs Leopold. Könnte ich von diesem huldreichen Fürsten eine Fürbitte erhalten, so würde ich wohl gegen die Verfolgung geschützt werden." Vertrauensvoll ging der Vater, ein ehrwürdiger Greis, mit diesem Schreiben zum Herzoge, fand sogleich Einlaß und schüttete sein bekümmertes Herz vor dem theilnehmenden Menschenfreunde aus. Dieser ertheilte die Antwort: Ich werde ihm das Empfehlungsschreiben eigenhändig aufsetzen; nur heute ist es mir nicht möglich, da ich dringende Regtmentsgeschäfte abzumachen habe. Mit welchen Gefühlen der alte Vater nach Hause zurückkehrte, kann jeder leicht begreifen; das Glück seines Kindes war gesichert. In der Abenddämmerung klopft es unerwartet an die Thür der armen Familie, der Alte öffnet und erblickt mit freudigem Stauneu den Herzog Leopold, der ihm sagt: ״Ich bringe Euch mein lieber Mann, den Brief noch heute und bemerkt ihm, er möchte diesen Brief ja selbst der Königin überreichen." ״Edelster Fürst," erwiederte der hocherfreute Greis, ״Gott mag's Ihnen lohnen, was Sie an mir und meinem armen Kinde thun; allein für heute ist es zu spät, meinem Sohne zu schreiben; in einer halben Stunde geht die Post ab, und man nimmt schon keine Briefe mehr an." ״Seid außer Sorgen, lieber Alter, von mir nehmen sie ihn noch, schreibet nur geschwind; ich will ihn selbst abgeben, mein Weg führt mich der Post vorbei." Der alte mußte sich setzen und schreiben. Während der Zeit unterbielt sich der Fürst in der leutseligsten Weise mit der Frau und trug dann den Brief selbst zur Post. Sie öffneten hier recht gern das schon geschlossene Felleisen, der Brief gelangte glücklich an den jungen Leven, welcher sogleich aufs Schloß eilte,

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