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Jeschurun · 1858-03-01 · Heft 6 (März 1858) · p. 313

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 6 (März 1858)
Article
Moses Mendelssohn's Verhältniß zum herzogl. Braunschweig'schen Hofe
Date
1858-03-01
Page
313 (sequence 6)
Language
German
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n. Herzog Leopold v. Braunschwetg und die Audi«. 313 sein Empfehlungsschreiben in tiefer Demuth überreichte und seine Bitte mit dem besten Erfolge gekrönt sah. Schon diese That flößt Bewunderung für den edlen Herzog ein! Sein Lebensende nahte bald, in den Fluthen der ausgctretenen Oder fand der 32jährige Fürst den Tod, als Held, als Netter seiner bedrängten Mitmenschen. Noch kurz vor seinem Scheiden, ja in der letzten Stunde seines segensreichen Daseins lieferte er Beweise seiner den Juden geschenkten Gewogenheit. Auf dem Wege, von dem er nicht mehr zurückkehren sollte, begegnete er einer armen Jüdin aus Friesland, welche den Wöchnerinnen ihres Glaubens Hülfe zu leisten pflegte. Sie war zur Reise gerüstet, trug einen Bündel unter dem Arm und und hatte ihre kleine Tochter an der Hand. Der Herzog der sie kannte, fragte freundlich: ״Wo will sic hin?" ״Nach Friesland! Durchlaucht." ״Fürchtet Sie sich denn nicht vor dem hohen Wasser? Weiß Sie nicht, wie gefährlich es ist jetzt zu reisen?" ״Ich muß, Durchlaucht." ״So nehme Sie sich in Acht, daß Sie nicht Unglück erleidet." Damit hatte er die beiden letzten 8 Groschen-Stücke aus seiner Tasche und gab sie Mutter und Tochter als Reisegeld. Seine Börse war leer und einen andern armen Juden, den er bald darauf erblickte, mußte er mit den Worten abfertigen: Lassa serena, aber es wird wohl bald wieder was hineinkommen. Wenige Augenblicke nachher war er nicht mehr. Allenthalben wohin die Nachricht von seinem Tode gelangte war allgemeine Betrübniß. Die Wittwe klagte: Wo ist mein Retter? Die Waise schrie: O, mein Vater! Der Arme: O, mein Ernährer! Das ganze Volk trauerte ob des hohen Sprößlings. Sein Todestag war ein Trauertag für die Juden Frankfurts, deren Rabbiner dem Hingeschiedenen am Vorabende des Neumond, Siwan 5545 (9. Mai 1785), die Leichenrede btelt^). Ein schönes Denkmal setzte ihm in der metsterhast geschriebenen Elegie Naphtali Herz Wessely^), der es wie kein anderer verstand, den Gefühlen seines Schmerzes den rechten Ausdruck zu verleihen. Diese Rede ist von dem Candidaten der Medtzk, - bekanntlich war Frankfurt a. d. O. damals noch die einzig: Universität, wo die Anden Zutritt hatten — LU Naphtali, Sohn, ins Deutsche übersetzt und in Hausen's Biographie S. 277 bis 284 abgedruckt worden.. 5) מאסף bon 1785, S. 145 —152.

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