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Jeschurun · 1858-03-01 · Heft 6 (März 1858) · p. 311

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 6 (März 1858)
Article
Moses Mendelssohn's Verhältniß zum herzogl. Braunschweig'schen Hofe
Date
1858-03-01
Page
311 (sequence 4)
Language
German
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H. Herzog Leopold von Braunschweig und die Juden. ZU schrieb dem damaligen Direktor der Justiz folgenden interessanten, von Spieker der Schrift als Faksimile beigegebenen Berief: Wohlgeborener Herr! Hochgeehrter Herr Direktor! Da ich gestern Abend hörte, daß einer von Meinen alten Kundlenken, der 70jährige, Jude Oscher sollte über die Grenze gebracht werden, so erfuhr ich, daß es die Juden Aeltesten hauptsächlich (!) wünschten. Also ließ es ihnen diesen Morgen ganz früh sagen, daß sie in Betrachtung seines großen Alters und wirklich sehr schmerz» hasten Krankheiten ihn doch hier dulden möchten. Aber sie beriefen sich auf Ew. Wohlgeboren, daß er nunmehr ohne Dero Conscns nicht mehr loskommen konnte. Daher ersuche ich Ew. Wohlgeboren wo möglich den armen alten Krüppel seine kurze Lebenszeit hier zu lassen. Diese Gefälligkeit werde ich immer mit Dank erkennen und verbleibe inzwischen mit vieler Achtung Frankfurt d> 20. Februar 1783. Ew. Wohlgcbvren ergebener Diener Leopold v. Braunschweig u. L Das Schreiben verfehlte seine Wirkung nicht und groß war die Freude des Prinzen, daß der alte Oscher^) in der Stadt bleiden durfte. Er sorgte aber auch bis zu seinem Ende dafür, daß er keine Noch litt. Noch ein anderer Zug der Judenfreundlichkeit wird von ihm erzählt^). Ein unbemittelter, Frankfurter Jude, Samuel Levtn, hatte mehrere Kinder, unter denen ein Sohn Jakob seine Vaterstadt verließ um in der Ferne sein Fortkommen zu suchen. Nach mannigfach wechselnden Schicksalen kam er nach Kopenhagen, wo er es durch Fleiß und Sparsamkeit dahindrachte, einen nicht unbedeutenden Klein- Handel anlegen zu dürfen. Dieser wurde mit jedem Tage ergiebiger und erregte den Neid seiner Glaubens-Genossen. Ihnen stand das Recht zu jeden fremden jüdischen Handelsmann auö der Stadt zu Dieser alre Oscher ist nicht mit einem andern in der Literatur des RoHwälsch genannten Oscher, welcher ebenfalls t» Frankfurt a. O. ,seinen Wohnsitz genommen hatte, zn verwechsel». *) מאסף von 1785 in der zweiten Angabe; Spieler L. a. O. S. 39, 40.

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