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Jeschurun · 1858-03-01 · Heft 6 (März 1858) · p. 310

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 6 (März 1858)
Article
Moses Mendelssohn's Verhältniß zum herzogl. Braunschweig'schen Hofe
Date
1858-03-01
Page
310 (sequence 3)
Language
German
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310 Moses Mendelssohns Verhältniß zum Herzogs, j^raunfchw. Hofe^ der Philosophie, der gründliche Kenner der Empfindungen Und Gefühle, der weise Jude in seiner ganzen Bedeutung. Äuf seiner im Jahre 1774 mit Lessing unternommenen wissenschaftlichen Reist Nach Italien wohnte er in Livorno einer Unterredung Lessings Mit einem jüdischen Gelehrten bei. Er war äußerst überrascht von dem Scharfsinn und der Weisheit dieses in der Verborgenheit sein Leben knmmervoll fristenden Mannes, der trotz allen Mangels und der der den Schlage, womit das Schicksal ihn hetmgesucht hatte, sich über die höheren Gegenstände des menschliche» Wissens, so erhabene und tiefsinnige Ansichten hatte erwerben können. Voller Bewunderung rief der Herzog nach Entfernung des Juden aus: ״Hier war noch mehr als Mendelsohn, eine weit reinere Metaphysik." Der Fürst intercssirte sich auch später für diesen jüdischen Weisen, nach mehreren Jahren kam ihm die Nachricht von einem tragischen und schrecklichen Ereigniß, .:das diesem Juden begegnet war. Mehr als einmal erzählt Hausen^), trug der Prinz mir auf, die näheren Umstände von den: betrübenden^,Schicksal dieses Gelehrten zu erforschen. Nach vielen fruchtlosen Bemühungen machte ein Brief aus Brünn neue Hoffnung. Wie beruhigend war diese Nachricht für'Das Menschenfreundliche Herz Leopold, aber das Hoffen war vergebens, man hatte nichts mehr von dem Unglücklichen gehört. Ein reines, erquickliches Bild von der Thättgkett unsereößHerzogs während seines 6jährigen Aufenthaltes in Frankfurt a. O.Dals Regiments-Chef jhat der ehrwürdige Spieker in seiner Schrift: ״Herzog Leopold von Braunschwctg, (2. Aufl. Frankfurt a. O. 1839.) entworfen, der wir unsere Mitthetlungen zum TheilDentnehmen. Leopold war bei jeder Gelegenheit Fürsprecher, Freund und Beschützer der Juden. Eben weil sie gedrückt und geächtet wären, meint sein vorurtheilsfreicr, vielen Theologen unserer Zeit als Muster dienender Biograph, machte er sie zum Gegenstand seineGbesondern Wohlwollens. Er kannte alle in Frankfurt einheimischen Juden und sie hatten zu jeder Zeit freien Zutritt zu ihm. Alss einst?ein armer Jude die Stadt Meiden sollte und selbst die jüdischch-Gemeinbe ihn schützen Anstand nahm, verwandte sich der Herzog für ihn und *) Hausen, Biographie Herzog Leopold'-, (Frankfurt a. L. 1?sS).

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