Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 6 (März 1858)
- Article
- Adar
- Date
- 1858-03-01
- Page
- 286 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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thigste Mensch von der Well, wie ist er ein anderer, wenn Wein und Zorn ihn dnrchglühen und wie sehr kommt bei ihm Alles auf augenblickliche Stimmung und Laune an! Um im Namen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit für die Schonung unschuldiger Tausender zu plaidiren, must die Königin eine günstige Sttmmung beim Gastmahl abwarten und die Laune des Augenblicks überraschen! Aber vor Allem, wie wenig regiert dieser Ahasveros selbst und wie wenig ist das Schlechte, das in seinem Namen geschieht, sein Werk! Er, der vonHodn bis Kusch über hundert und sieben zwanzig Provinzen gebietet, er wird selbst von seinen ihn bedienenden Pagen und Höflingen influtrt, die seiner Sinnlichkeit schmeicheln, die sich in den Staub werfen vor seinen Crcaturen und dem allmächtig gebietenden Günstling auf den Kops treten, sobald sie merken, daß er tu Ungnade gefallen. Er wird aber vor allem selbst von diesem allmächtig gebietenden Günstling regiert, der in seinem Namen regiert, der in seinem Namen über Leben und Tod die Würfel wirft und der seine allmächtige Stellung mißbraucht, um unter dem Deckmantel der allgemeinen Staatswohlfahrt die niedrigste Leidenschaft seiner Rache zu befriedigen. Das Menschenherz, auf das mit seinem Wohl und Weh das Volk sich hingewicsen sieht, ist in unnahbarer Majestät von diesem Volke getrennt. Wer ungerusen ihm sich naht, ist unrettbar dem Tode verfallen. Kein Trauergewand darf in seinen Räumen sich blicken lasten; es darf ja vom Schmerz da draußen nichts in die königlichen Gemächer dringen, ״der König und Haman setzen sich zum Weine, während die Stadt voller Bestürzung ist" — und während das, was einmal im Namen des Königs geschrieben und gesiegelt worden, unwiderruflich ist, der König selbst nichts mehr an dem zu ändern vermag, was einmal in seinem Namen dekretirt worden, giebt er doch ganz unbekümwert seine Schrift und Siegel aus Händen, läßt in seinem Namen siegeln und schreiben, was er nicht gesehen, was er nicht erkannt und wovon er nur aus dem Munde seines Günstlings etwas ersahreu! Und wie tief verachtet dieser Günstling die Majestät selber, die ihn so groß gemacht, wie hält er sie der schmutzigsten Motive fähig! Er hat ihr seinen staatsmännischen Vortrag über die Ge-