Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 6 (März 1858)
- Article
- Adar
- Date
- 1858-03-01
- Page
- 282 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Adar. und uns in unserer Knechtschaft einiges selbstständiges Leben zu gewähren. Denn Knecht« sind wir noch immer und in unserer Knechtschaft haben wir unfern Gott nicht verlassen u. s. w. n. s. w." (Esra 9 ). Zu allen mächtigen und gebildeten Völkern, die in jenen Jahrhunderten weltgebietend über die Schaubühne zogen, Perser, Griechen, Syrer, Egypter, Römer, zu Allen trat daS kleine Judäa nach einander meist in das Verbaltniß der Abhängigkeit, oft in das Verhaltniß ebenbürtiger Bundesgenossenschaft; sie sollten lernen im Angesicht der Fremden Juden sein. ויהי בימי אחשודש Diese Lehre begann in den Tagen AhaSveros und war schmerzlich, wie Alles, was Israel für's Leben zu lernen hat. בימי אחשורש In den Zeiten des frisch aufblühenden PerserretcheS, dessen welterobcrnder Genius die babylonische Macht in Trummer geworfen und vor dessen Glanz und Hoheit sich mm alle Völker beugten, ward Israel in die innigste Berührung mit dem fremden staatlichen Leben gebracht nnd begann da die Elemente würdigen zu lernen, die fortan über sein Geschick gebieten und einen nnaufhörlichen Einfluß auf die Gestaltung seines Lebens äußern sollten. War Israel bestimmt, fortan unter fremder Botmäßigkeit, unter all den Reizen des Lichts und der Lust, des Glücks und der Hoheit einer fremden Kultur sich seines Lichts und seiner Freude, sich seiner Seligkeit und seiner Würde inne zu bleiben nnd sein Licht nur in seiner Lehre, seine Freude in seiner Gottesseier, seine Seligkeit in dem Abrühamsbund und seine Würde in dem Ordensband des göttlichen Gesetzes zu finden — so war ihm nichts nvthiger, als dieses fremde Licht und diese fremde Lust, dieses fremde Glück und diese fremde Hoheit einmal so nah als möglich kennen nnd kosten zn lernen und sich zugleich des einzigen Ankergrundes bewußt zu werden, auf dem allein eS den höhern Boden seiner Zukunft in Mitten all dieser vorüberrauschenden Zeiteuwogen finden könne. Es war aber diese Erfahrung vielleicht keiner jüdischen Generation nöthiger, als eben dem Geschlechte, das sich damals unter perstschem Sceptcr bewegte. Schon daS babylonische Exil war keine egyptische Knechtschaft gewesen. Hatte der Prophet sie angewiesen, sich dort völlig anzufiedeln, in Stadt- und Landleben Wurzel zu fassen und mit auf-