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Jeschurun · 1858-03-01 · Heft 6 (März 1858) · p. 276

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 6 (März 1858)
Article
Adar
Date
1858-03-01
Page
276 (sequence 2)
Language
German
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276 Adar. der Vergangenheit betrachtet. ויה׳ erfasst das Geschehene nicht als etwas bereits Vollendetes; eS versetzt in de» Moment, in welchem das jetzt Vergangene »och erst zukünftig war, in welchem das Geschehenc erst geschehe» sollte, das Gewordene erst im Werden degriffen war; es betrachte! das Vergangene als Zukünftiges; eS heißt nicht: eS war; sondern: es war werdend, cs ward. והיה hingegen erfasst daS noch erst zu Geschehende als bereits geschehen; es versetzt in den Moment, in welchem das jetzt noch Zukünftige bereits vollendet sein wird, in welchem es nicht mehr im Werden sein, vielmehr das Werden bereits znrückgclegt haben wird und drückt das Zukünftige eben in dem Moment dieser Vollendung aus. Es heißt nicht: es wird, cs wird werden, auch nicht es wird sein, sondern: es wird geworden sein. Es bezeichnet die Zukunft eis Produkt und Resultat der Vergangenheit. Nun denn, wo irgend ein Vergangenes mit ויה׳, vor Allem wo ein geschichtliches Ereigniß mit ויהי בימי eingeleilet wird, wo also etwas Gewordenes in seinem Werden, seinem Entstehen begriffen wird, da haben wir Schmerzlichem zn begegnen. Alles Werden ist schmerzvoll. Mag daS Gewordene noch so Glück und Freude bringend sein, mögen wir uns seines Besitzes in heiterstem Genüsse erfreuen, alles ויהי, sein Entstehen, sein Werden war schmerzvoll; nur aus Leid und Prüfung, nur unter Schmerz und Angst ward auch daS Herrlichste geboren. Jeder Uebergang ist schmerzlich, auch der Uebergang znm Bessern, zum Besten; überall müssen alte Bande gelöst werden, um neue knüpfen zu können, überall alte Zustände zerstört, um neuen Platz zn machen und jede Gewohnheit ist süß nnd alles Neue fremd. Das Auge schließt sich, das aus dunkcler Nacht ans Helle Tageslicht tritt, schreiend tritt der Neugeborne ins Leben, die Krisen der Genesung sind überall bange Stunden des mit dem Tode ringenden Lebens und die Uebcrgangözeiten des Iahres, Frühling und Herbst, bearbeiten niir Fieberschauer die Organismen für die Hitze und Kälte deö Sommers und Winters. Und in der Geschichte, in der Geschichte Israels? Da ist kein wahrhaftiges, dauerndes, bleibendes Gut, das Israel ohne Schmerzen, ohne vorangegangene prüfende nnd erziehende, vorbereitende Leiden gewonnen hätte. Von der ersten 400jährigen Frew.dlingsnacht, die Zsracls erste Selbstständigkeit gebar, bis zu den letzten Exilsjahr-

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