Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1858)
- Article
- Zur jüdischen Schulfrage
- Date
- 1858-02-01
- Page
- 241 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932855-2941988--03360-2942045- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
241 : »s» vr. M. Hirsch. mit wesentlich bereits aufgehört, mir als Wahrheit dazustehen. Denn eine jede Wahrheit ist, so fern sie Wahrheit ist, unumstößlich. — Das sind lauter identische Sätze und freilich ״versteht sich das Alles von selbst". In Praxi leider doch nicht so ganz. Wir brauchen sie nur auf die allerhöchste Wahrheit anzuwenden, auf die Thorah, zu welchem Ende wir sie ja hieher gestellt haben. Je folgenreicher eine Wahrheit, je mehr sie in's Leben eingreift, je häufiger die Gelegenheit ist, sie selbst mit Opfern zu bestätigen: desto potenzirter muß offenbar der Grad von Ueberzeugung bet denen sein, die sie als Wahrheit anerkennen und bethättgcn. Und nun! Es handelt sich hier um eine Wahrheit, die nicht etwa bloß manchmal tn's Leben eingrcift, sondern unser ganzes Leben gestaltet, zu deren Bethätigung nicht bloß hie und da Gelegenheit geboten, die in jedem Momente uns mit unserer Vollkraft in ihren Dienst nimmt, der wir alles, alles zu opfern stets bereit sein sollen, weil wir alles ja nur zu ihrer Bethätigung erhalten zu haben glauben — und da sollten, könnten wir noch in irgend einem Winkel unseres Innern der Befürchtung Raum geben: wenn wir dieses oder jenes Buch gelesen, in diese oder jene Anschaunngsweise uns versetzt, diesen oder jenen Beweis uns in seiner ganzen Schärfe und begründenden Kraft vorgeführt hätten, so würde uns jene Wahrheit vielleicht als — minder wahr erscheinen? Bin ich auch nur von des Freundes Treue wirklich überzeugt, wenn ich zittere, diese oder jene Probe mochte sie vielleicht doch nicht bestehen, ja wenn ich auch nur überhaupt irgend eine Eventualität noch als eine Probe für dieselbe ansehc? Zweifle ich da.nicht bereits jetzt, vor der Probe, und muß nicht, je sorgsamer ich die Probe scheue, desto stärker mein Zweifel, desto mächtiger mein Vertrauen erschüttert sein? Und es ist doch nur ein Mensch, der seinen Sinn ja ändern kann, der heute noch mit ganzem Herzen mir zugethan sein könnte, wenn er auch möglicherweise morgen, bei veränderten Verhältniffen, sich von mir wendet! ........... Stände es — was Gottlob der Fall nicht ist — in eines Menschen Macht, Alles was je menschlicher Scharfsinn und menschliche Beschränktheit gegen die Göttlichkeit der Thorah gedacht