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Jeschurun · 1858-01-01 · Heft 4 (Januar 1858) · p. 205

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 4 (Januar 1858)
Article
Die gute alte Zeit
Date
1858-01-01
Page
205 (sequence 5)
Language
German
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Die gute alte Zeit. 205 Die erste ist der Druck, die Beschränkung, die zweite die Freiheit, die Gleichberechtigung. Den' ersten Theil unsrer Ausgabe haben wir glänzend gelöst. Zn beinahe zwanzig Zahrhunderten hat uns kein Schimmer der Freiheit gegrüßt, seit fast zweitausend Jahren waren wir geknechtet und gehöhnt, verfolgt und gedrückt und alle Qualen und alle Schmach, die nur der Menschengetst ersinnen kann, sind herangetreten zu den armen Vertriebenen aus Judäa und haben von ihnen Verrath gefor- ' dcrt, Verrat!) an dem Heiligsten, Höchsten und feit zwei Jahrtausenden haben alle Geschlechter unsrer Nation dieses Ansinnen mit Verachtung zurückgewiesen und haben den herrlichsten, glorreichsten Siegeskranz um das mit Spott und Elend beladene Haupt sich erworben. # Wenn nun die allweise Vorsicht unsre Zeit, das Kind dieser großen Vergangenheit, für reif hielt, die schwere Aufgabe, im Glücke, in der Freiheit standhaft zu bleiben, zu lösen; und wenn diese Zeit sich noch nicht auf der hohen Stufe gezeigt hat, die die vergangene unter anderen Verhältnissen eingenommen, dürfen wir da gleich den Muth finken lassen und verzweifeln? Wir befinden uns in den ersten Stadien dieser neuen Aera und die Geschichte zählt nach Jahrhunderten, nicht nach Tagen. Aber auch schon jetzt bereits können wir den Fortschritt wahrnehmen, den die neue Zeit uns bringt. Wenn früher nur Druck und Jammer den Juden trafen, so waren es ja doch auch eben dieser Druck und Jammer selbst, die den Juden nöthigten, sich enger und fester an sich selbst, an sein heiliges Gesetz anzuschließen, seine Peiniger zwangen ihn unwillkührltch, treuer Jude zu sein, indem sie ihm zwischen Jude sein und Christ werden keinen Mittelweg gestatteten. Die Versührung war auch nicht so lockend; denn auch in materieller Hinsicht war der Jude trotz Allem in seinen vier Mauern glücklicher, als der Nichtjudc und dieser befand sich noch auf so niedrigem Grade der Bildung, daß es dem Juden schwerlich einfallen konnte, um der Gemeinschaft mit ihm gänzlich mit seinem Volke zu brechen. Aus hoher Stufe der Bildung steht aber unsere Zeit und tauseird Verlockungen und Reize laden den Juden zur Untreue, tausend Bortheile und Ehren suchen ihn abzuziehen vom väterlichen Heilig- 1s*

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