Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1858)
- Article
- Die gute alte Zeit
- Date
- 1858-01-01
- Page
- 203 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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203 Die gute alte Zeit. sind besser geworden, das Recht unparthetischcr, die Wissenschaft freier, die Sitte» feiner, die Menschheit menschlicher. Nur eines flüchtigen Blickes ans die Culturgeschichte' bedarf es, um zu diesem Resultate zu gelangen. Böswilligkeit und Kleinmut!) allein können blind für diese Thatsachen bleiben. Aber zumal der Jude kann und darf sein Auge nicht verschließen für das, was die bessere neue Zeit gebracht, der Jude am aller-? wenigsten kann und darf einstimmen in den Wunsch nach ״der guten, alten Zeit". Trotz aller Beschränkungen, welche im Lause dieses Jahrhunderts dem jüdischen Stamme aufgebürdet und wieder abgenommcn sind um abermals wieder aufgeladen zu werden, trotz so mancher Kammerbeschlüsse und Bürgermeisterdekrete, trotz so mancher Kanzelreden und Zeitungspfeile der jüngsten Tage liegen dennoch gebrochen die Ghetttmancrn, sind dennoch gefallen die meisten Ketten, die uns fcstgchalten, ist dennoch geschwunden ein Theil der Vorurthetlc und freier und ungehinderter als je bewegt sich der Jude in christlichen Staaten. Kein gelbes Abzeichen an der jüdischen Mannesbrust schändet mehr den christlichen Mitbürger, keine Inschrift an den Stadtthoren, die ״Juden und Schweine" auf eine Stufe der Gleichberechtigung stellt, beschimpft mehr einen christlichen! Magistrat, kein Leibzoll und farbige Karten erniedrigen mehr eine - christliche Polizei und das Privilegium ״jedem sich länger als 24 Stunden sich aufhaltenden Juden ein Pfund Fletsch auszuschneiden" ist einer königlichen Stadt auch bereits genommen. Auch ist man von dem Pharaonischen Systeme, die Vermehrung der Juden zu hindern, beinahe zurückgekommen und an Ausübung von Handwerk und Gewerbe hindert fast nur noch der Spießbürgergeist ehrsamer Zünfte, aber kein Gesetz. So in politischer und socialer Hinsicht; aber noch mehr auf denk Gebiete deS Geistes hat sich der Jude mit der Gegenwart zu freuen. Ist ja Werk seines Hetligthums jede erhabene Idee, die zur Blüthe kommt, Ausfluß des von ihm bewahrten Gesetzes jede Wahrheit, jedes Recht, die endlich zur Geltung gelangen und jeder Sieg über Gewalt und Unterdrückung, über Dummheit und Aberglaube windet neue Lorbeerkranze um die Schläfe des alten Zion, der alma mater alles Höhere» und Heiligeren auf Erden. Betrachten wir aber auch unsere eignen, innern Zustände. — 13