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Jeschurun · 1858-01-01 · Heft 4 (Januar 1858) · p. 202

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 4 (Januar 1858)
Article
Die gute alte Zeit
Date
1858-01-01
Page
202 (sequence 2)
Language
German
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202 Die gute alte Zeit. mit einem Axtschlage der ganze Wald mächtiger Vorurtheile, alter, eingewurzelter Nebel fallen müßte; und wenn das nicht gelingt, wenn vielmehr der kecke Führer des Streichs von Anstrengung übcrwältigt am Rande des Waldes niedersinkt, wenn dann die erschütterten Bäume dürre Zweige und falbes Laubwerk und an den Aesten Hangendes Ungeziefer dem Erschlafften ans die heiße Stirn werfen und ihn belästigen und peinigen mehr denn je, offenbart sich darin denn die erneute, frische Kraft des Waldes? Zeugt das nicht im Gegen-, theil von der doch nicht wirkungslos vorübergegangenen' Wucht der Art? Aber so ist der Mensch. Extremen folgen Extreme. Gelingt es nicht, die Geschichte mit einem Male im Sturmschritte zu nehmen, tritt er feige zurück und sieht nicht einmal die Bresche, die er geschossen und Jahre vergehen, ehe er sich zum zweiten Angriff gerüstet. Auch wir leben in einer solchen Periode der Erschlaffung, der Abspannung, welche der kurzen Zeit der Begeisterung, des Ausfchwungs auf der Ferse gefolgt ist, und wiederum ertönen die Klagen und das Verlangen nach ״der guten, alten Zeit". Aber nur Schwächlinge im Gefühle ihrer Ohnmacht, und Dunkelmänner, nicht minder ihrer Schwäche gegen Licht und Freiheit sich bewußt, können solch thvrichtes Verlangen hegen. Erstere, verzweifelnd an der Kraft und der Unwiderstehlichkeit der erhabenen Ideen, die die Menschheit von jeher und ganz besonders unser Jahrhundert in Bewegung gebracht; letztere, eben diese Ideen bekämpfend, das nächtliche, trübe Dunkel des Mittelalters zu erhalten', um feruer regieren zu können. Der gesunde, vorurtheilsfrete Menschenverstand weist aber diesen kindischen, lächerlichen Wunsch als unberechtigt zurück und fragt vor Allem: wann war diese gute, alte Zeit? Wann waren die Menschen besser, waren die Zustände glücklicher? Wo gab es die Zeit, in welcher weniger Jammer und Elend gewesen, in welcher weniger Vorurtheil und Aberwitz, Dummheit und "Eigennutz das Scepter geschwungen und das Recht weniger mit Füßen getreten war? Wann war die Zeit, wo die Wissenschaft in höherer Blüthe gestanden, wo der Geist freier, die Sitten feiner waren? Und darauf giebt es nur die eine Antwort: niemals. Die socialen und materiellen Zustände

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