Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1858)
- Article
- Die gute alte Zeit
- Date
- 1858-01-01
- Page
- 201 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932854-2941899--03296-2941959- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 8. Das Herz voll süßer Hoffnungen, den Kops voll kühner Pläne, so tritt der Jüngling in das Mannesalter. Er sieht schon die Welt augefüllt mit neuen Schöpfungen, schon verschwunden alle Jrrthümer, sieht schon getrocknet jede Thräne, gestillet jeden Seufzer und das Alles — Werk seiner Hand, Frucht seiner Pläne. Mit Ungestüm wirft er sich in das Getriebe des Lebens, streut überall aus von der reichen Uebersülle seines Herzens und sucht sich kühn zu drängen an das große Rad des Schicksals, hängt sich mit der ganzen Wucht seiner jugendlichen Kraft an die Speiche», um das Schicksal rascher vorwärts zu treiben. Aber seinem Ungestüme setzen sich tausend Schranken entgegen, die Saaten, die er ausstreut, fallen aus steinigen, ungeackerten Boden und das Rad des Schicksals ist zu schwer für seine Kraft; statt vorwärts zu rollen, schreitet es zum Trotz zurück und durch die Gewalt der rückgängigen Bewegung wird er seitab geschleudert. Zerschlagen und ermattet schaut er hin aus das, was er angestrebt, auf das, was er erreicht. Alle seine schonen Schöpfungen sind zernichtet, alle seine hinsttegenden Pläne vereitelt. Die Thräneu, die er trocknen, die Seufzer, .die er stillen wollte, sie zeigen, sich in reichlicherem Maaße noch durch ihn, durch die von seinem Ungestüme hervorgerufcne Umwälzung vermehrt. So bitter enttäuscht füllt sich sein Herz mit Unmuth; in feige Klagen bricht er aus über die Welt und in kindischem Kletnmuthe wünscht er sich zurück die ״gute, schöne Zeit der ungetrübten Jugendjahre". Wie der'Einzelne, so die Welt im Großen. Ueberall, wo die Menschheit sich anstrengte, etwas Neues, Besseres zu schaden, da treten uns in der Geschichte gleich nachher Zeiten der Abspannung, der Erschlaffung entgegen und in dieser überall zu jeder Zeit der Wunsch und die Sehnsucht nach ״der guten, alten Zeit". Als ob