Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1858)
- Article
- Teweth
- Date
- 1858-01-01
- Page
- 174 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932854-2941897--03267-2941932- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
174 Tcweth. diese Tage des Gedächtnisses und der״ Klage völlig bedeutungslos geworden. Dann wollen sie vielmehr anfregen diesen Schmerz, wach rufen diese Gefühle, wo sie einzuschlummern, dann wollen sie stärken und nähren, läutern und deuten, wo sie vorhanden, wollen aber ganz vorzüglich zurückführen zu diesen Gefülen, zu der ganzen Denk- und Sinnesweise, in welcher diese Gefühle ihren Boden sinden, Diejenigen zurückführen, denen das Leben diese Gefühle geraubt, die das Leben dieser Denk- und Sinnesweisc fremd gemacht. Wahrlich, wären uns nicht bereits solche Gedenktage Jeruschalaim - Zions von den Jahrhunderten der Vergangenheit überlicfert, ja, mit den Ereignissen selbst, deren Andenken sie trage», in den Lcbenskalendcr unseres Volkes unverlierbar gezeichnet, hätten sic uns nicht — wie kein anderes geschichtliches Ereigniß bei irgend einem andern Volke — aus allen Unseren Wanderungen begleitet, wahrlich, wir müßten heute noch, und vielleicht nie mehr als heute, der Prophetenmahnung Nachkommen und uns Gedenktage Zions stiften und uns zur Wehklage um Jeruschalaims Fall vereinen. Je mehr vor dem Schimmer der Gegenwart das Andenken an Zions Licht umstrahltes Hciligthum erblaßt, je mehr vor der materiellen Hast des Jahrhunderts das Bewußtsein eines ursprünglich ganz anderen Bodens und einer ganz anderen Lebensbestimmung in den Hintergrund tritt, je mehr den Söhnen der Zeit das Aufgehen in die Bestrebungen der Völker und das Sichverlieren in ihre Massen als letztes Ziel der Söhne und Töchter Zions erscheint und das, was unseren nationalen, gottbegeisterten Sängern als der schrecklichste, von Israels erbittertsten Feinden angestrebte Gedanke erschienen, daß Israels Nationalität aufhöre und man des Namens ״Jude" nicht mehr gedenke — לכו ונכהירם מגוי ולא יזכר שם ישראל עור — unseren ״auf der Höhe der Zeit" stehenden ״Israeliten", der Höhe- Punkt der eigenen Wünsche geworden: um so mehr thäte cs noch, diese nationalen Erinnerungen wach zu rufen und auf dem Grund unserer Vergangenheit das unverrückbare Ziel unserer Zukunft zu suchen. 2. Denn wenn der Prophet aufruft, uns Deukzeichen und Wehklagen zu stiften, so hat er ein höheres Ziel damit im Auge, als das bloße Begehen eines Aktes der Pietät, wie wir cs nennen.