Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1857)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1857-12-01
- Page
- 157 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenz, 157 nicht versagen durfte; und wäre so doch die Hauptsache erreicht worden. Statt dessen aber haben sse das zweite Ziel in den Vordergrund gestellt und zu diesem Ende in einem Privatlocale einen demgemästen Gottesdienst eingerichtet. Sie sind so in Opposition zu der Gemeinde und dem Oberrabbiner getreten und haben gewissermasten einen Akt der Absonderung vorgenommen, wozu man sich unseres Erachtens nicht so leicht entschließen darf. Mit der beabsichtigten Anstellung eines eignen Borbeters tritt dies noch schärfer hervor. Uebrigens hat man auch schon nicht ein Mal bis jetzt die Grenzen tnnegehalten, in welchen allein sich der Chorgcsang bewegen darf, soll er anders nicht störend etnwirken. Wir wollen bet diesem Gegenstände nicht länger verweilen. Ein glückliches Prognostikon glauben wir aber diesem neuen Unternehmen nicht stellen zu können. So lange der Reiz der Neuheit seine Anziehungskraft bewährt, wird ,der Privatgottesdienst Wohl noch besucht werden: wenn dieser aber geschwunden und die neue Synagoge besteht, dürfte sich das ganze, jedenfalls gut und redlich gemeinte Werk in Wohlgefallen auflösen, was wir gerade nicht beklagen würden, wenn auch aus keinem andern Grunde, als daß dadurch alle hier ihätigcn Kräfte wieder den Ort ihrer Wirksamkeit auch in dieser Beziehung in der Gemeinde selbst zu finden hätten und so vielleicht eine allgemeine Besserung zu hoffen wäre. — Ueber den dritten Grundpfeiler eines Gemeindebaues: Gemiluth Chassadim ist schon früher tu diesem Blatte ausführlich Bericht erstattet. Wir freuen uns, denselben in jeder Hinsicht bestätigen zu können. Nicht leicht dürfte sich eine Gemeinde finden, in deren Mitte so viel und in so schöner Weise die hohe, edle Pflicht der Menschenliebe geübt wird. — Wir haben uns bemüht, ein getreues Bild von dem religiösen Zustande unsrer Gemeinde zu geben. Auf zwei Punkte haben wir schließlich noch hinzuweisen, die leider zu den wundesten Stellen unseres Gcmetndekvrpers zählen. Der eine ist die Gemeindevertretnng, die eigentlich gar nicht existirt, da ein sich selbst ergänzender Vorstand wohl nicht als Repräseutant der Gemeindeglieder gelten kann. Der andere ist die religiöse Leitung der Gemeinde. Läge die doch nur in den Händen eines Mannes, der im Stande wäre,