Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1857-12-01 · Heft 3 (Dezember 1857) · p. 156

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 3 (Dezember 1857)
Article
Aus Hamburg
Date
1857-12-01
Page
156 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2932754-2932849-2932853-2941776--03215-2941866
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

156 Au» Hamburg IV. zu erzielen, die weder Herzen erwärmen, noch Gemüther begeistern kann, sondern nur dem Ohre zur Weide dient und das öffentliche gemeinsame Gebet des Juden gewiffermaßen zu einem Conzerte umwandelt, welchem man nur in Gla§6haNdschuhen beiwohnen kann. Wir wollen Ordnung in dem Gotteshause in dem Sinne, wie sie in den Vorschriften unsrer Weisen gelehrt wird; Harmonie, zunächst und allererst im Innern selbst, daß alle Gemüther in der Synagoge nur dem Hohen, Heiligen sich zuwenden und wenn auch das Schema dann nicht so harmonisch klingt, wenn der Eine auch um eine Viertel-Note zuvor ist und der Andere eine Achtel zurückbleibtwenn Alle nur nach dem Einen streben und das Gleiche fühlen und denken — das würde uns schon genügen. Nebenbei hätten wir Nichts zu erinnern, wir wünschten es vielmehr, daß die speziell sich zum Chorgesange eignenden Gebete von einem gut eingeübten Chore in ansprechender Weise ausgesührt würden. Bet dem Gottesdienste in unsrer Gemeinde nun vermissen wir vor Allem die Ordnung. Da werden Handclsneuigkeiten, Witze und Politik mit in die Synagoge gebracht, um darüber interessante Discurse zu führen. Unsre Vorsänger gefallen sich oft in einem Singsang, der gerade nicht geeignet ist, Andacht zu erwecken und von Oben geschieht Nichts, um in Diesem einen Wandel hervorzurufen. Der gebildete Jude kann unmöglich hieran Gefallen finden und so ist denn eine ganze Anzahl geachteter Gemeindeglieder zusammengetreten und haben sich zu einem Vereine constituirt, dessen Zweck es ist, einen geregelten Gottesdienst zu erzielen. So lobenswerth nun auch dieser Zweck ist und so ehrenwerthe Männer in ehrenhafter Absicht denselben anstreben, so können wir den Weg, den sie dafür einschlagey, keineswegs als den richtigen erkennen. Wenn diese Männer sich daraus beschränkt hätten, vor Allem dahin zu wirken, daß die Unordnung und Unsitte aus dem Gottes- Hause entfernt werden und hätten dann versucht, die Gemeinde zu bewegen, bei den entsprechenden Stücken einen geregelten Gesang einzusühren, so, wir sind fest überzeugt, hätte ihnen das Erste sicherlich, das Zweite allerdings wohl nicht so leicht gelingen könneu. Sie hätten bei dem ersten Verlangen auf jeden Fall auf die Mitwirkung des Oberrabbtners rechnen können, der sie ihnen ja

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.