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Jeschurun · 1857-12-01 · Heft 3 (Dezember 1857) · p. 155

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 3 (Dezember 1857)
Article
Aus Hamburg
Date
1857-12-01
Page
155 (sequence 2)
Language
German
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Correspvndmz. 155 Doch hierüber wollen wir an dieser Stelle nicht reden, sondern diese enger anfgefasite Aboda heute zum Gegenstände unsrer Besprechung wählen. Eine bemerkenswerthe Erscheinung ist es, daß es gerade dieser Gegenstand, daß es der öffentliche Gottesdienst war und ist, welchen sich beinahe überall die Reformsucht zuerst zum Zankapfel erwählte und hier sich zuerst die Kluft zeigte, die fortan die Gemeinden scheiden und den Bruder vom Bruder trennen sollte. So war ja unsre Gemeinde eine der ersten mit, in welcher gleich beim Beginne der Nesormbestrcbungcn sich eine Parthei erhob, die mit der Errichtung eines ״Tempels" in Gegensah zum alten, väterlichen Heilgthume trat und es aussprach: wir haben keinen Theil mehr an dem Hause Jakob; die die heilige Bätersprache bei ihren ״Andachten" in den Hintergrund drängte und damit das Band zerriß, das die über den ganzen Erdball Zerstreuten verknüpfte und die, das Nationalbewußtsein durch Vernachlässigung der Nationalspräche vernichtend, die Keckheit hatte, sich als Erwecker des jüdischen Volksbewußtseins zu geriren. Und in eigenthümlichem Widerspiele, werden wir später sehen, ist es abermals die Weise des öffentlichen Gottesdienstes, welche in diesen Tagen ganz Andersgesinnte zu einem Schritte bewogen hat, der ebenfalls droht, eine Spaltung in der schon Einmal getheilten Gemeinde hervorzurufen. Was uns betrifft, so bekennen wir es offen, wir gehören zu denen, die eine jegliche Unordnung, jede Unsitte, alles Ungehörige überall und ganz besonders im Gotteshause verabscheuen; die Nichts sehnlicher wünschen, als daß mit dem entschiedensten Ernste gegen all dergleichen an geknüp ft werde. Wir gehören nicht zu denen, die angemessenen, harmonischen Gesang bei dem öffentlichen Gottesdienste als sündhaft bezeichnen, die dagegen aber Gefallen stnden an dem oft end- und geschmacklosen Zwischcnsange des Vorbeters. Wir gehören aber auch nicht zu denen, die eine vermeintliche Ordnung, eine vermeintliche Harmonie k tout prix wollen; die unter Ordnung im Gotteshause eine lautlose, feierliche Stille, unter Harmonie einen Alles beherrschenden Kirchengesang verstehen; die die wahrhafte, wirkliche ״Kcwana" hingeben, um eine anständige, höchstens andächtige Ruhe zu erkaufen; die dem aus dem Herzen stießenden inbrünstigen Gebete Schranken anlegen, um dafür eine, Uniformität 10

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