Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1857)
- Article
- Die Stellung der Juden im griechisch-römischen Alterthum
- Date
- 1857-12-01
- Page
- 150 (sequence 10)
- Language
- German
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Die Stellung btt Juden 150 Römer bewiesen, neue Nahrung, und insluirten dann auch wieder auf die Berichte der griechischen und römischen Schriftsteller von solchen Ereignissen. So erzählt Dio Casstus von dem Aufstand der Juden in Cyrene unter Trajan (117): ״Sie machten alles nieder, was Römer oder Grieche hieß; sie aßen das Fleisch der Gemordeten, umwanden sich mit ihren Eingeweide», bestrichen sich mit ihrem Blut und zogen die Haut ihrer Leichen über sich her. Andere durchsägten sie vom Scheitel herab der Länge nach, und warfen sie wilden Thteren vor, oder zwangen sie, im Zweikampf einander umzubringeu, so daß im ganzen zweihundertundzwanzigtauscnd Menschen auf diese Weise ihr Leben verloren. In Aegypten und Cypern verübten sie ähnliche Gräuelthaten, und auch hier fanden zweihundertvierzigtausend Menschen ihren Tod. Seit dieser Zeit darf auch kein Jude letztere Insel betreten, und wenn je einer durch einen Sturm dahin verschlagen wird, muß er sterben/' Ist nun gleich dieser Bericht mit offenbarer Uebertretbung ins gräßliche ausgemalt, so haben doch auch die unverdächtigen Schilderungen des Zosepus von den Racekämpfen zwischen Inden und Heiden, (?) die dem Fall des jüdischen Reichs vorausgingen, an Furchtbarkeit kaum ihresgleichen in der Geschichte. Wenn die Jahrhunderte hindurch mit ungleichen Pausen fortwährenden blutigen Reibungen zwischen den Nationen von verschiedenem Stamm und Glauben einen bitter», feindseligen Haß gegen die Juden in der griechisch-römischen Welt verbreiteten, so erschienen dagegen ihre seltsame» Gebräuche und Satzungen thöricht und lächerlich, und deren peinliche Befolgung abergläubisch. Ganz besonders wurde natürlich die Beschneidnng bespöttelt, sodann die Sabbathruhe, wodurch sie, wie Sencca sagt, den siebenten Theil ihres Lebens verlieren. Auch die Speiscgesetze gaben viel Anlaß zu Witzeleien. Man war im Ernst zweifelhaft, ob die Juden sich des Schweins aus Verrehrung oder Abscheu enthielten. Bei Judenverfolgungen zwang der Pöbel sie wohl, dieses verhaßte Fletsch zu genießen. Augustus bemerkte, als Herodes seinen dritten Sohn hinrtchten ließ, er möchte lieber Herodes Schwein sein als sein Sohn. Die gründliche Antipathie der Römer gegen die Juden zeigt sich am deutlichsten darin, daß weder Vespasian noch Titus nach der Unterwerfung Judäa's den Beinamen ״der Jüdische" annahmen,