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Jeschurun · 1857-12-01 · Heft 3 (Dezember 1857) · p. 149

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 3 (Dezember 1857)
Article
Die Stellung der Juden im griechisch-römischen Alterthum
Date
1857-12-01
Page
149 (sequence 9)
Language
German
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tm griechisch-römischen Alterthum. 149 zu erzürnen, wohl aber den Zorn eines Gottes durch Uebergehung auf sich zu laden. Man weiß, daß die Athener ״dem unbekannten Gott" einen Altar errichteten. Welches Recht konnte in ihren Augen der räthselhafte Judengott haben, eine ausschließliche Anbetung zu verlangen? Und welches Recht sein Volk, die ewigen Olympier, Heren segnendes Walles! schon Aeonen dankbar verehrt hatten, als tobte Götzen aus Stein, Holz oder als böse Geister und Gespenster zu verachten zu verspotten? Diese dem Heidenthum völlig unbegreifliche Verachtung besten waS ihnen Religion war, der zelotische Fanatismus der Juden, und die wilden Vcrzwciflungskämpfe, die jeder Versuch, ihnen einen Heidntschen Götterdtenst aufzudringen, hervorrief, ließ das Volk als ein allen menschlichen Gefühlen entfremdetes erscheinen; und ihre Absonderung von Tisch und Bett anderer Nationen nahm man als unzweideutigste Bestätigung ihres Menschenhasses. Sehr natürlich blieb die judenfeindliche Literatur nicht bei den Anklagen stehen, die sich auf Lhatsachen begründeten, sondern erfand neue dazu, um das verhaßte Geschlecht noch verhaßter zu machen. Wer zu ihrem Glauben Übertritt, sagt Tacituö, den unterrichten sie vor allem in Verachtung der Götter, Verleugnung des Vaterlandes, Geringschätzung der Eltern, Kinder und Geschwister. Nach Juvenal lehrte Moses, nur Beschnittenen solle man den Weg weisen, wenn sie verirrt sind, nur sie an die Quelle führen, wenn sie in der Wüste verschmachten. Ja auch eine der sinstern Fabeln, um derentwillen im Mittelalter so viel unschuldiges Blut vergossen worden ist, taucht schon tm Alterthum auf. Der Alexandrinische Philologe Apion, ein windiger Charlatan, hatte eine Schrift gegen die Juden geschrieben, die durch die Widerlegung des Flavius Josephus bekannt geworden ist. In dieser behauptete er, AntiochuS Epiphanes habe im Tcmpcl von Jerusalem nicht nur etneir Eselökopf gesehen, den die Juden verehrten, sondern auch einen Griechen, der das ganze Jahr hindurch mit Leckerbissen gemästet wurde, um air einem bestimmten Tage feierlich in einem Walde geopfert zu werden. Dieß thäten die Juden Jahr für Jahr, genossen dabei die Eingeweide des Geschlachteten, und schwören den Griechen ewige Feindschaft. Solche Vorstellungen erhielten durch die furchtbare todeöverachtende Wildheit, welche die Juden in ihren Kriegen und Aufständen gegen die

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