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Jeschurun · 1857-12-01 · Heft 3 (Dezember 1857) · p. 148

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 3 (Dezember 1857)
Article
Die Stellung der Juden im griechisch-römischen Alterthum
Date
1857-12-01
Page
148 (sequence 8)
Language
German
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148 Die Stellung der Juden und.Römern nicht blos als ein fremdartiges Element; sie wurden nicht bloß mit der Antipathie des Occtdentalen gegen den Morgen-!ander betrachtet, sondern zu diesem Racentzaß kam noch der Wider- Wille gegen ihre politische Absonderung, und ganz besonders der Wider- Wille des heitersinnlichen gegen den gestaltlosen, unduldsamen Glauben. Wohl mögen wir glauben, waS in den (am Anfang des ersten Jahrhunderts gedichteten) jüdischen Stbhlltnen gesagt wird: Jegliches Land und jegliches Meer ist von dir erfüllet, Jegliches ist dir feindlich gesinnt ob deiner Gebräuche. Der Grieche wie der Römer begriff die Idee der Gottheit nur in einer Tesammtheit göttlicher Gestalten, in einer Götter- Welt: einen einzigen, bildlosen, unsinnltchen Gott denken, hieß ihm Gottesläugnerei und darum sahen die Heiden im Christenthum wie im Judenthum eine entgötterte, finstere Leere, und Christen wie Juden erschienen als Atheisten. Tacitus nennt von diesem Stand- Punkt aus die Inden ein der Religion abgeneigtes, dem Aberglauben ergebenes Volk. ״Unheilig ist bei ihnen alles, was bet uns heilig ist, gestattet, was bet uns abscheulich." Bet den Götterfesten Griecheulands und Roms schauten die Marmor- ^uud Erzbilder der Olympier aus die andächtige Menge nieder, folgte dem Opfer Schauspiel und Schmaus: es waren Feste der Freude und Geselligkcit. Die Juden duldeten in ihren Tempeln kein Bild, und häufige Fasten und unaufhörliche Gebete gaben ihren Feiertagen einen düsternC harakter. ״Einige," sagt Tacitus, ״haben geglaubt, sie verehrten den Bacchus, weil ihre Priester Flöten- und Pankensptel gebrauchen, Epheukränze tragen, auch im Tempel sich eine goldene Weinrebe faud; aber die Gebräuche der Bacchusfcste passen nicht zu ihren Satzungen, sie sind heiter und festlich, die der Juden' dagegen widersinnig und gemein." Am unverständlichsten mußte den Heiden die Intoleranz des Jndenthums sein. Eine gränzcnlose Expansivttät liegt in der Natur des Polytheismus. Griechen und Römer erkannten in den Göttern anderer Nationen entweder ihre eigene wieder, oder wareu doch stets bereit, ihnen auch als fremden zu huldigen. Sie, die das Weltall von zahllosen, göttlichen Mächten erfüllt glaubten , mußten jeden neuen Cultus als eine Erweiterung ihrer noch unvollständigen Erkenntniß der Götterwelt begrüßen, und konnten nie fürchten, einen Gott dnrch Verehrung eines andern

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