Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1857)
- Article
- Die Stellung der Juden im griechisch-römischen Alterthum
- Date
- 1857-12-01
- Page
- 146 (sequence 6)
- Language
- German
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Die Stellung der Juden 146 Vernichtung der Seinigen wandten sich die Babylonier gegen die in ihren Städten wohnenden Juden, um auch an diesen die von den Räubern in Naarda erduldeten Uebelthaten zu rächen. Viele suchten in Seleucta am Tigris eine Zuflucht, aber auch dort wurden sie verfolgt, und (im Jahr 41) von den vereinigten Griechen und Syrern in fünftausend erschlagen; die übrigen flohen nach Ktesiphon, der Hauptstadt von Parthien, oder zogen sich in die beiden befestigten, und von Juden bewohnten Städte Naarda und Nisibis zurück. Auch in den Ländern jenseits des Tigris, so wie in Armenien wohnten Inden zahlreich. Ein Schreiben des Synhedrialpräsidenten Gamaliel des ältern (in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts n. C.) ist an ״die Brüder in Babylonien, Medien und Griechenland" gerichtet. Er meldet ihnen, daß der Frühling sich verspätet habe, die Lämmer noch zart, die Tauben noch nicht flügge seien, daher habe cs ihm und seinen Genossen gefallen, das laufende Jahr um dreißig Tage zu verlängern. Einen merkwürdigen Beleg für die Ausbreitung des Judenthums im Osten giebt die Bekehrungsgeschichte der Königsfamtlie von Adiabene, eines kleinen Staates östlich vom obern Tigris, der, zwischen den beiden Großmächten Rom und Parthien gelegen, mehrere Jahrhunderte feine Unabhängigkeit behauptete. Das hier im Anfang des ersten Jahrhunderts regierende Königspaar Monobaz und Helena lebte nach der Sitte orientalischer Höfe in einer Geschwisterehe; der Thronfolger JzateS wurde an einem befreundeten Hofe am nördlichen Ufer des persischen Meerbusens erzogen. Dort bekehrte ihn ein jüdischer Kaufmann Anania, und ohne von diesem Religions- Wechsel des Sohnes zu wissen, trat auch Helena zu demselben Glauben über. Nach dem Tode Monobazens (um 36) bestieg Jzates den Thron und bekannte sich mit all seinen Verwandten nun öffentlich zum Jndenthum, ja er ließ sogar die Beschneidung an sich vollziehen. Dieser Abfall von der Laudesreligion erregte Unzufriebenheit, aber JzateS dämpfte glücklich alle Anstandsversuche seiner Gegner, und regierte 24 Jahre (bis 60) unangefochten. Er sandte von seinen vierundzwanzig Söhnen fünf nach Jerusalem, um sie dort in der jüdischen Religion unterrichten zu lassen. Helena ptlgerte selbst dahin (um 46), beschenkte den Tempel königlich, und trug zur Linderung einer Hungersnots bet, von der sie das