Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1857)
- Article
- Die Stellung der Juden im griechisch-römischen Alterthum
- Date
- 1857-12-01
- Page
- 143 (sequence 3)
- Language
- German
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im griechisch-römischen Alterthum. 143 damals ein römischer Prätor in Kletnasien Anstand nahm, eine den Juden mißliebige Maßregel zu treffen: in einer einzigen Stadt (Apamta in Bithynien) betrug die nach Jerusalem zu sendende Tempelsteuer beinahe hundert Pfund Gold (im Werth von etwa 2800 Thalern). Daß sich in Athen, Korinth, Thessalonich und Philippi (und ohne Zweifel überall in Griechenland und an den Küsten des schwarzen Meeres) südische Colontm befanden, ist aus der Apostelgeschichte bekannt. Daß in Italien und namentlich in Rom zahlreiche Juden sich aushielten, würde man schon ans der Richtung des alexandrinischcn Handels schließen dürfen, durch welchen die Hauptstadt einen großen Thcil ihres Getreidebcdarfs und die sämmtlkche Luxuswaaren des Orients bezog. Sie wohnten in Nom größtentheils nicht weit von dem jetzigen Ghetto, auf der Tiberinsel und am linken Tibcrufer am Abhang des Vaticans; eine Tiberbrücke behielt noch lange den Namen pons Judaeoi'um. Sonst war diese Gegend fast nur von bettelhaftem Gesindel, Kleinkrämern und Lohgerbern (die der Nähe des Flusses bedurften) bewohnt. Was die Juden bewogen haben kann, sich vorzugsweise hier niederzulassen, ist unbekannt; ein Zwang kann es durchaus nicht gewesen sein, möglicherweise aber der Wunsch den Abladestcllen der Tiberschiffe nahe zu sein, lieber ihre Menge in Rom giebt die erwähnte Rede Cicero's für Flaccus überraschende Aufschlüsse. Die Anklage, die gegen Flaccus wegen seiner Verwalrung Kleinasiens erhoben worden war, warf ihm unter anderm auch vor, daß er die von den kleinasiatisch - jüdischen Gemeinden nach Jerusalem zu sendende Tempelsteuer confiscirt hatte, beiläufig gesagt aus Grund eines Senatöbeschluffes, der die Ausfuhr von Gold aus römischen Provinzen überhaupt verbot. Die Anklage rechnete auf den Einfluß der römischen Juden; man wisse, sagt Cicero, wie stark an Zahl sie seien, wie eng sie zusammeuhtelten, welchen Einfluß sie in Versammlungen übten. Um so mehr müsse die Charakterfestigkeit des Mannes anerkannt werden, der ״dieser barbarischen Sekte" antgegenzutreten gewagt, dieser ״aufgeregten Masse, dieser schmähsüchtigen und argwöhnischen Nation" Trotz geboten habe. Außerordentlicher Begünstigungen hatten sich die Juden von Cäsar zu erfreuen, dessen Kosmopolittsmus über nationale Vorur-