Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1857)
- Article
- Die Stellung der Juden im griechisch-römischen Alterthum
- Date
- 1857-12-01
- Page
- 142 (sequence 2)
- Language
- German
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142 Die Stellung der Juden ten sie von fünf Stadttheilen beinahe zwei ganz allein, an der Spitze der Gemeinde stand ein Ethnarch (Volksfürst) ans Priesterlichem Geschlecht, der zugleich im Innern eine priesterltche Gewalt übte und die Erhebung der Staatssteuern besorgte, und ein hoher Rath von siebzig Aeltesten. Sie genoffen besondere, von den Ptolemäern herrührende Privilegien, die Cäsar und dann August bestätigten, namentlich in Bezug auf Schifffahrt. Es war ohne Zweifel nicht zufällig, daß sie gerade nach Alexandrien, dem größten Handelsplatz der alten Welt, sich am zahlreichsten gezogen hatten, noch auch, daß ihr Quartier in unmittelbarer Nähe der königlichen Werfte und des Hafens lag. Der -Wohlstand und die Zahl der alexandrinischen Juden gab ihnen nicht selten einen bedeutenden Einfluß aus die politischen Verhältnisse Aegyptens; einzelne nahmen am Hof und in der Armee hervorragende Stellungen ein. Die Anregungen, denen sie sich an dem Hauptsitz griechischer Wissenschaft und Literatur unmöglich ganz entziehen konnten, blieben nicht unfruchtbar; sie modificirten und milderten die einseitige Starrheit des Judcnthums, (?) und die alcxandrinisch-jüdische Literatur, die aus ihnen hervorgegangen ist, bietet manche interessante Erscheinungen. Selbst die bildende Knust, zu der das Volk von jeher am wenigsten Begabung gehabt zu haben scheint, fand unter den alexandrinischen Juden Pflege; es bildete sich eine eigene Zunft von Handwerkern und Künstlern, deren Mitglieder fortan zu den im Tempel von Jerusalem erforderlichen Arbeiten berufen wurden, während man sich früher deßhalb hatte nach Phönicien wenden müssen. Nicht mit Unrecht hat man diese alexandrinischen Juden mit den Juden im maurischen Spanien verglichen. Auch die Stadt, die mit Alexandrien um die Ehre des zweiten Ranges (nächst Rom) rivalisirte, Anttochia in Syrien, hatte eine große jüdische Gemeinde, wie denn überhaupt in Syrien die Juden einen großen Theil der Bevölkerung bildeten, und die dortige Synagoge war eine der glänzendsten und reich mit Weihgeschenken geschmückt. Eben so waren sie in Kleinasten sehr verbreitet; von den fünf Synagogen auswärtiger Gemeinden in Jerusalem, welche die Apostelgeschichte nennt, gehörten zwei den alexandrinischen und cyrenäischen, zwei den kleinasiatischen und die fünfte den römischen Juden. Wir erfahren aus der Rede Cicero's für Flaceus, daß