Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1857)
- Article
- Moses Mendelssohn's Verhältniß zum herzogl. Braunschweig'schen Hofe
- Date
- 1857-12-01
- Page
- 133 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1. Moses Mendelssohn und der Erbprinz. 133 ich vereinigte, zu sehen und zu sprechen, führte damals alle, Geehrte und Berühmtheiten anfsuchende Reisende, welche Berlin Pasirten, zu ihm und nur selten hat irgend ein Ltterator, irgend ein gelehrter Theologe seinen Weg durch die Stadt der Kunst und Wissenschaft, für welche sie schon damals galt, genommen, ohne em Juden Moses einen Besuch abzustatteu, um sich, wie jene Ko- ,igin bei dem weisen Salomo, zu überzeugen von dem geistigen!leichthum, der Liebenswürdigkeit und Menschenfreundlichkeit des Zuden, die an allen Orten von ihm gerühmt worden war. Auch egierende Herren hielten es nicht unter ihrer Würde, den jüdischen Philosophen in seinem Geschäftszimmer oder in seiner bescheidenen!Löhnung mit einem Besuche zu beehren und ein Stündchen in sei- >er angenehmen, stets belehrenden Unterhaltung zu verbringe». Die Mitglieder des herzogl. Braunschweig'schen Hauses ge- )orten zu den ersten Fürsten, welche aus Mendelssohn aufmerksam lvurdeu, wie sic auch zu den ersten zu rechnen sind, welche den Anfang machten, den dichten Schleier der in der damaligen Zeit herrschenden Vorurtheile von sich zu werfen und die seit 1707 *) ihrem Schutze sich wieder anvertrauenden Juden mit Milde und Schoumg zu behandeln. Wie konnte es auch anders sein? Bildung ennt keine Vorurtheile, ächte Bildung tritt allem eingewurzelten haß mit aller Macht entgegen und Braunschweig war in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Sitz rines Ebert, Schmidt, Zachariä, eines Hellen Jerusalem, ehe noch scr große Genius Lessing dort seine Heimath fand. Daß den ge-!!annten Trägern der deutschen Literatur der Name Moses Mendelsvhn, der Verfasser philosophischer Schriften, der scharfe Kritiker, >er von der Berliner Akademie, dem damaligen Orakel der Wissenschasten, mit dem Siegeökranze Geschmückten nicht unbekannt gcblieden war, versteht sich in dieser jedes Talent in seiner Entwickelung »erfolgenden Zeit von selbst. Durch diese Braunschweigs Stolz bildenden Eoryphäen hatte der für Verbreitung der Bildung und Wissenschaft selbst eifrig bemühte Hof zrierst Kunde von dem Berl) 1707 wurde seit der letzten Vertreibung der Juden aus Braunschweig der aste Schutzjude in der Person des Alerander David wieder ausgenommen. Vergl. Abbentrop, Stadt Braunschweig (Braunschweig 1791) 2. Band, S. 91.