Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1857)
- Article
- Moses Mendelssohn's Verhältniß zum herzogl. Braunschweig'schen Hofe
- Date
- 1857-12-01
- Page
- 132 (sequence 1)
- Language
- German
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Von Dr. M. Kayserling. I. Moses Mendelssohn nnd der Erbprinz. Wohl selten hat ein Mann ein solch allgemeines Interesse bet allen Gebildeten, ich will nicht sagen, Gelehrten der ganzen deutschen Nation, erregt, als der, dessen Name noch Jahrhunderte lang den Ausgangspunkt für die bessere Gestaltung der jüdischen Verhältnisse bilden wird, als Moses Mendelssohn. Dieser arme, nnansehnliche Schulmeisterssohn, welcher sich durch seltenen Fleiß und erstaunliche Anstrengung auf die Hohe seiner Zeit geschwungen/ war, wie er als Jude von seiner Nation geliebt, als Cclebrität und Leitstern in der Philosophie und Literatur von dem großen Schwarme seiner Zeitgenossen betrachtet worden. Es war nicht allein die in seinen Schriften ntedergelcgtc Tiefe, die seine Dialektik seiner Argumentationen, welche ihm einen Namen verschafften, es war nicht allein jene Kunst, mit der er sich in einer ihm erst in reiferen Iahreu eigen gewordenen Sprache bewegte und bald alle deutschen Schriftsteller überflügelte, welche in jener auf Veredlung des deutschen Styls dringenden Zeit allgemein bewundert wurde, es war die Ueberraschung aus einem gedrückten, verachteten Volke, in dem man nur Niedriges und Unwissendes erwartete, weil man es darin suchte, einen solchen Geist hervorleuchten zu sehen. Diese seltene Erscheinnng zu begrüßen, den Mann, welcher zum ersten Male jüdisches Wissen mit gediegener deutscher Bildung in einem hohen Maße in