Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1857)
- Article
- Kislew
- Date
- 1857-12-01
- Page
- 130 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Kislew. diese praktische Verwirklichung ihrer Grundsätze das bedeutendste' Gewicht legen, ja, sie wird eben an dieser entsprechenden Lebensgestaltung die Ihrigen erkennen und erkennen müssen. Sie wird, wenn das Prinzip, das sie durchdringt, ein wahres ist, mit der ihr gegenübcrstehenden Majorität in Verwirklichung alles Guten nnd^ Wahren, das sie beide gemeinschaftlich anerkennen, wetteifern, ja in ihren Triumphen auf dieser beiderseitig anerkannten Arena wird sie der Gegnerin bewundernde Huldigung auch des von dieser verleugneten Prtnzipes abnöthigen. Allein sie wird doch, eben weil die Majorttät dieses Prinzip verleugnet, aus dessen Verwirklichung in ihrem Kreise mit doppeltem Nachdruck bestehen, ja dessen Verwirklichung entschieden in die Oeffentltchkeit tragen. Hier läuft sie nun Gefahr, allmählig Glieder in ihrem Kreis sich ansammeln zu sehen, die, die Reinheit ihrer Grundsätze mißkennend, die Verwirklichung dieser streitigen Grundsätze als ihre alleinige Aufgabe begreifen, das Gute, das sich der beiderseitigen Huldigung erfreut, verachten und eben nur das schätzen zu dürfen vermeinen, was nach Außen als ״Parthei-Abzeichen" erscheint und worin sich eben die Anhänger der Minorität als solche bekunden. Selbst wenn diese in praktischer Einseitigkeit Befangenen es aufrichtig meinen und nur aus Unwissenhett sündigen, sind sie ihr in höchstem Grade verderblich. Weist sie nicht entschieden die Gemeinschaft mit diesen Einseitigen von sich, so läuft sie die doppelte Gefahr, im eigenen Kreise das Bewußtsein von ihrer reinen, vollen Aufgabe allmählig getrübt zu sehen, nach Außen aber allen möglichen Mißdeutungen und Verdächtigungen anheim zu fallen. Wir wollten nun noch die Gefahr der Zersplitterung einerseits und des Auste - Milieu - Wahns andererseits betrachten, wollten noch eine und die andere Klippe beleuchten, die eine Minorität zu fürchten, Berge, die sie.zu ersteigen, Schwierigkeiten, die sie zu überwinden, Prüfungen, die sie zu bestehen hat; allein das nahende Makkabäerfest mahnt mit seiner heitern, immer steigenden Lichtfeier, diesen ernsten Gedanken nicht allzusehr sich hinzugeben. Es tritt in unfern Kreis, und wie ernst und gefahrdrohend auch die Zeiten für unsere ״Minorität" sich gestalten, wie drohend die Klippen, wie ernst die Prüfungen, steil die Betge scheinen und wie sehr auch, was nur immer durch Zahl- und Macht - Uebergewtcht impontrt,