Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1857)
- Article
- Kislew
- Date
- 1857-12-01
- Page
- 119 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Minorität. 119 er, ר׳ -1 /״ s, it N daß ihnen Charakter und Wissenschaft, Bekenntntß und Erkenntniß, praktischer Lebensgrundsatz und theoretisches Axiom, mit einem Worte Sittlichkeit und Wahrheit so sehr geschiedene Gebiete sind, daß sie wissenschaftliche Wahrheit von dem praktischen Verleugner derselben erwarten, daß sie das schmutzigste Gefäß für tauglich erachten, das reine Wasser der lebendigen Wahrheit zu wahren, und ihnen der ilichh ausi der Hohe der Zeit zu stehen scheint, dem die Rechtschasfenheit des Forschers nicht gleichgiltig ist für die zu erwartende Richtigkeit des Ergebnisses der Forschung. Trügt uns nicht Alles, so sind sie selbst für rein theoretische Erkenntniß solcher Wahrheiten, deren Gegenstand vom praktischen, sittlichen Leben durchaus fern liegt, völlig im Jrrthum. Wer kann sagen, daß er Wahrheit, absolute Wahrheit gefunden! Aber Wahrheit suchen, Wahrheit wollen, Wahrheit um ihrer selbst willen wollen, um keines Vortheils willen, um keiner Ehre willen, sich dem Ergebniß der Wahrheit von vorn herein gefangen geben, mag Hees Ergebniß zum Vortheil oder Nachtheil, zum Ruhmeskranz oder zur Beschämung des Forschers aussallen, mögen Bequemlichkeiten und Unbequemlichkeiten, Süssigkcit oder Bitterkeiten des Lebens sich!an die Ferse deS Ergebnisses knüpfen, das sind die Bedingungen,!von welchem in hohem Grade die Ergebniste einer jeden Forschung!bedingt sind, und das sind Bedingungen, die zu allererst in dem!sittlichen Charakter des Forschers wurzeln. Und nun Wahrheiten, die so wenig von dem praktischen Leben getrennt sind, daß vielmehr dieses praktische Leben selbst ihr vornehmltches Objekt ist, daß in ihrem Gebiete kaum ein Ergebniß der Forschung sich heransstellen kann, das nicht mit der Erkenntniß sofort auch das praktische Bekenntntß, und meist durch opferfreudige That im Leben gebieterisch fordert — Wahrheiten, die eben durch das praktische Leben ihrer Bekenner zur Veranschaulichung und eben nur dadurch zur endlichen siegreichen Verbreitung gebracht werden wollen — die Erkenntniß und der Sieg solcher Wahrheiten ist vor Allem nicht sowohl von der Zahl ihrer Träger, als von der Neinheit derselben bedingt, und auch für diese Bedingung ist der Schooß einer Minorität der entschieden günstigere. Gebt einer Wahrheit eine siegreiche Majorität zur Seite, in 99 von hundert Fällen wird der Einfluß dieser Majorität ein nicht