Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Zur jüdischen Schulfrage
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 97 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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von vr. M. Hirsch. 97 richtssächer umfassen müßte. Und zwar müßte, unscrm eigenthümltchen Zwecke gemäß, überall auf die höchsten zu Grunde liegenden Prinzipien zurückgegangen und aus jedem Fache eine verhältnißmäßig reiche Answahl von Beispielen zur Erläuterung htnzugefügt werden. Zu einer solchen Arbeit fehlen aber noch die ersten Grundlagen. Eine Didaktik hat sich damit zu beschäftigen, wie eine ihr bereits objektiv vollendet gegenüberstehende Wissenschaft nun zu einem dem Bedürfnisse der geistigen Nahrung der Schüler entsprechenden Lehrstoffe umgewandelt werde, um materiell und formal als Btldungsmoment zu wirken. Sie findet den Lehrstoff vor, sie hat ihn nicht erst zu schaffen. Wo cxistiren für eine jüdische Didaktik diese Grundlagen? Wo haben wir, um beispielsweise das Nächstliegende hervorzuheben, eine Bearbeitung der Weltgeschichte vom Standpunkte des Judcnthums? Eine Riesenarbeit, mehr als ein Menschenleben erfordernd. Denn sie erfordert einerseits das tiefste Eindringen in den Sinn der göttlichen Institutionen der Thorah, vor Allem dann auch ein Sichversenken in den Geist, der durch כתובים und נביאים webt, der nun eben vom Standpunkt des göttlichen Willens in der .göttlichen Or.dnung wie in תהילים ,איוב ,משלי die Verhältnisse zunächst des Einzellebens, in נביאים die des jüdischen National-Lebens und der völkergeschtchtlichen Entwickelung betrachtet. Andererseits ° erfordert sie selbstverständlich das htngebendste Studium der Geschichte?selbst, einen Geist, der ״von den Niederungen der Citate und Collektaneen der Quellenstudien sich zu den höchsten Höhen der Speculation" zu erheben weiß. Jahrtausende müßte er überschauen, j den kleinsten Moment in der ganzen Complication der ihn erzeugen-! den combinirten Ursachen zu erfassen müßte er befähigt sein. Mit!vorwärtsgewandtem, gottbegeistertem underleuchtetem Blick schauten j Me Propheten über Aevnen der Zukunft, sie waren Propheten; mit!rückwärts gewandtem, gottfühlendem undschauendem Sinne müßte er, I wenn er wirklich der Berufene, die Jahrtausende der Vergangenheit j überblicken. Warum hat sich bisher kein Berufener gefunden? Wir! lassen diese unschwer zu beantwortende Frage für jetzt unbeantwortet,! wiewohl sie zu unserem Gegenstände in näherer Beziehung stehen dürfte,!als es den Anschein hat. Das Faktum ist leider nur zu sehr constatirt. Aus diesem einen Beispiel schon erhellt, wie für eine!jüdische Didaktik der Tag noch nicht gekommen. Ja, sind wir