Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Zur jüdischen Schulfrage
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 96 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932852-2941647--03109-2941740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
96 Zur jüdischen Schulsrage kein allzu reicher Schatz von Erfahrung dazu, dies wahr zu sinden, die Belege geben sich ungesucht. Es ist aber heilige Pflicht der Schule dem vorzubeugen. Sic kann es, darum muß sie es. Wir beschäftigen uns hier bloß mit der ersten Hälfte dieses Satzes, wenngleich wir uns nicht verhehlen, daß auch die zweite bei gewisser Seite auf, subjektiv wohlbegrünbeten, Widerspruch stoßen würde. Die Frage ist also: in welcher Weise vermag und hat dic Schule, und zwar hier speciell die jüdische Schule, auf die allgemeine Weltanschauung der ihr anvertrauten Zöglinge zu wirkend Da ist es nun sofort klar, daß hier von keinem besonderen, neuen, die Zahl der Unterrichtsfächer vermehrenden Gegenstände die Rede ist. Das hier in Betracht Kommende läßt sich vielmehr nicht in speciell ihm gewidmeten Stunden fruchtbar behandeln. Es kommt vielmehr lediglich auf den Geist an, in welchem die einzelnen Gegenstände des Unterrichts ausgcfaßt werden. Klar ist deßhalb ferner, daß eine eingehende Beantwortung unserer Frage ein mehr oder weniger erschöpfendes Eingehen aus die wichtigsten Unterrichtszweige, jedenfalls diejenigen, die die Natur, ganz besonders aber die den Menschen im Einzelnen wie im Großen und Ganzen und alle seine Verhältnisse berühren — denn diese sind ja offenbar die für unfern Zweck wichtigsten — erfordern würde. Unerläßlich wäre jedenfalls hier eine ins Einzelne gehende Betrachtung des ID- Unterrichts auf seinen verschiedenen Stufen und fast ebenso unerläßlich die des Geschichts-Unterrichts. Ebenso müßten die allgemeinen Grundsätze der Naturwissenschaften, die Stellung des Judenthums zu deren Ergebnissen wie auch z. B. zu den Fragen des Jdcalisurus und Materialismus einer gründlichen Erörterung unterzogen werden. Ferner wäre zu untersuchen, in wie fern die, jetzt freilich vielfach, wenngleich nach unserer Ansicht mit Unrecht, in Mißkredit gekommenen sog. Denkübungsstunden unscrm Zwecke fruchtbar zu machen wären und so würden sich noch an manchen andern Gegenständen Seiten und Beziehungen ergeben, die sie durchaus in den Kreis unserer Betrachtung ziehen würden. Unsere Ausgabe würde sich in dieser Weise nach und nach, und suchten wir sie auch noch so eng zu begränzen, mindestens zu einem Entwürfe von Grundliltnieu einer jüdischen Didaktik erwachsen, die'fast sämmtliche Unter-