Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Zur jüdischen Schulfrage
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 94 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Zur jüdischen Schulfragc besitze Kenntnisse in der Physik, in der Chemie und Naturgcschichte, er habe Arithmetik und Geometrie niit Erfolg getrieben, und er wisse seinen Gedanken einen gebildeten Ausdruck zu geben; er sei in der Geschichte und Geographie wohl bewandert, es gebe kein wichtiges Ereignis, das ihm unbekannt, kein Volk und kein Land, das ihm fremd sei, und er habe in der Schule sich mit demselben, ja mit noch größerem Eifer dem speziell ״Reiligiösen", Hebräischen, wie den Gegenständen der allgemeinen Bildung zngewendet, — und er verließe wie als unterrichteter, gebildeter Jungling, so als religiöser, mit aller Wärme des jugendlichen Herzens seiner ״Religion" anhängender Jude die Schule — und das ist doch das Ziel der jüdischen Schule, die Berechtigung ihrer Eristenz —: hat die Schule dieses Ziel in Wahrheit erreicht, hat sie ihre Aufgabe in Wahrheit gelöst, wenn sie nicht mit derselben Gervißheit, mit der sie erwarten kann, daß der ins Leben Eintretende den Sinn für Bildung, die Werthschätzung des Wissens bewahren werde, auch getrost sich der Hoffnung hingeben kann, er werde seiner religiösen Gesinnung nun auch im Leben treu bleiben, werde taub bleiben der Stimme der Verführung und Wahn stets als Wahn, Täuschung als Täuschung stets erkennen? Er werde es zu würdigen wissen, wenn Jemand an ihn nun herantritt und ihm zeigt, wie aus so und so viel triftigen, unerschütterlichen Gründen die Thorah unmöglich^ wie man ihn gelehrt, Gottes Wort sein könne, wie die Ergebnisse der Geologie mit ihren Worten im geradesten Gegensätze stehen, wie da z. B. nicht nach Jahrtausenden, sondern nach Billionen von Jahren die Erde zu zählen habe; oder wie, wenn der Urheber der Thorah mit dem Schöpfer der Welt identisch wäre, derselbe unmöglich in Anschaunngen könne befangen gewesen sein, die sich inzwischen längst als Jrrthümer erwiesen, 5. B. nicht von einem Auf- und Untergehen der Gestirne sprechen könnte; oder wie das Faktum der Offenbarung am Sinai ein an sich ganz unmögliches, mit einem inneren Widerspruche behaftetes sei, Gott, das unkörperltche, übersinnliche Wesen habe geredet, und Menschen ihn vernommen! Oder man zeigte ihm, wie überall in der belebten Natur und vor Allem im Menschengeschichtlichen Kreise Leben, Bewegung, Entwickelung, Fortschritt, Reform, Verjüngung herrsche und hielte ihm dem gegenüber dann den Stillstand, die Stagnation, ja den Rückschritt, der