Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Ein Stück Zeitgeschichte
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 87 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Stück Zeitgeschichte. 87 ״Sr. Hochwi'rröen Herrn Oberrabbiner S. Trier in Frankfurt am Main. Emden, 14. August 1843. Eine trübere Kunde, Hochwürdiger Herr, und eine ernstere Anfrage, als in dem gefälligen Anschretben vom 23. Thammus enthalten, das ich von Ihnen und Ihren geehrten Freunden zu empfangen die Ehre hatte, — eine trübere Kunde und eine ernstere Anfrage konnte in unserer doch an so trübem Ernsten und so ernstem Trüben wahrlich nicht armen Zeit nicht leicht ergehen. Nicht daß es überraschen konnte, das nun durch direkte Mittheilung bestätigt zu stnden, wovon die geschäftigen Boten der Zeit bereits tn verschiedenen Blättern erzählt; — nicht, daß überall eine solche Erscheinung für den auch nur einigermaßen der Zeit mit aufmerksamem Auge folgenden Beobachter etwas Ueberraschendes haben konnte; sondern es blutet das Herz, so denn einmal in vollendeter Wirklichkeit den' ganzen Rist in dem jüdischen Heiligthum, die ganze klaffende Wunde an dem jüdischen Zeitkörper vor sich zu sehen, deren Vorhandensein bis jetzt die einzelnen Erscheinungen des Decenntums nur dem schließenden Verstände gezeigt — es blutet das Herz — und das Anschreiben des ehrwürdigen, erfahrungs- und weishettsreichen Veteranen selbst an den jüngeren Zettgenoffen lehrt den ganzen Ernst, in dem Sie, Hochwürdiger Herr, die Ausgabe begreifen, den dieses Ereigniß Ihnen, den dieses Ereigniß endlich uns Allen setzt. Es habe sich, so lautet Ihre trübe Mittheilung, in Ihrem Kreise eine Klasse gebildet, die offen sich zu Grundsätzen bekennt, die nichts geringeres als das Zerreißen aller innigen Bande bedeuten, die den Juden an sein göttliches, ewiges Heiligthnm binden, und in Consequenz dieser Grundsätze ausdrücklich die Sabbathfeier und die Beschneidung als keine den Juden verpflichtende Gebote erklärt, und schon habe auch ein dortiger Familienvater das Bekenntniß dieser Grundsätze thatsächlich durch die Weigerung, seinen neugeborenen Sohn beschneiden zu laffen, besiegelt, — und