Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Ein Stück Zeitgeschichte
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 82 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932852-2941646--03094-2941726- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
82 Jüdisches Gemeiridewcsen. Gemeinwesen bilden, oder bilden sie in Wahrheit eine innerliche Einheit, wenn man sie auch noch äußerlich "zusammen registrirt? Welche jüdisch-religiösen Institute können sie denn noch zusammen gründen, zusammen pflegen, zusammen fördern? Schulen — in denen zu gleicher Zeit die Jugend nach dem Prinzip der Göttlichkeit und nach dem Prinzip der NichtgöMchkeit der Bibel, nach dem Prinzip der ewigen Verpflichtungskraft und nach dem Prinzip der Antiquirung des jüdischen Gesetzes unterrichtet und hcrangebildet werde? Synagogen — in welchen gleichzeitig, oder etwa in Parttätisch harmonischer Abwechselung die Göttlichkeit und die Nichtgöttlichkcit, die Unverletzlichkeit und die Abrogirung des Gesetzes gepredigt werde? Serninarien, Akademien, in welchen Lehrer und Prediger) Geistliche und Rabbinen für das bejahende und für daö verneinende Prinzip vorbereitet werden? Taharoth- und Kaschruth- Institute, — die den Einen Gewissenssache sind, und die die Andern verlache»? Ja, — wenn es Beiden mit ihren Ueberzeugungen Ernst ist — welche Ehen, welche Häuser können sie zusammen gründen, welche Kinder zusammen erziehen?-Suchen wir religiöse Ueberzeugungen, religiöse Zwecke, welche diese Bruchtheile der heutigen Judenheit denn noch in Wahrheit gemeinsam haben, so werden wir nur solche finden, die sie auch mit der Gesammtmcnschheit, mit Christen und Türken theilen. Wahrlich, die Verständigen aller unserer religiösen Richtungen müssen es zugestchen, daß, um die Dinge bei ihren Partheinamen zu nennen, die Anhänger des modernen Judenthums »nd die Anhänger des orthodoxen Judeuthums, — wir verstehen darunter diejenigen, die sich zu der ewigen, ünverletzliehen Verpflichtungskrast der jüdischen Religionsgesetze und dtejenigen, die sich zu der Abrogirung und Antiquirung derselben bekenne», — wir meinen, alle Verständigen müssen es zugestehen, daß diese i» ihren religiösen Ueberzeugungen weiter von einander getrennt sind, als Karaiten und Rabbaniten in der Judenheit, viel weiter als Christen und Mohamedaner in der Menschheit, sehr viel weiter als Katholiken und Protestanten, ja unendlich weiter als Lutherauer und Reformirte in der Christenheit? Und das, was sich in der Judenheit und außer der Judenheit überall naturgemäß geschteden, das will man in der heutigen Judenheit gewaltsam znsammen halten? Zu welchem Heil? Zu welchem Nutzen? Zum Nutzen