Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Ein Stück Zeitgeschichte
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 79 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932849-2932852-2941646--03091-2941723- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ein Stück Zeitgeschichte. 79 lvenn der Vater seiner Verpflichtung nicht nachgekommen. Die Ge- ,»etnde wurde daher geradezu als Mitschuldiger, als Genosse der Pflichtvergessenhctt, ja Pflichtleugnung des Vaters dastehen, wenn sie nicht durch Ausschluß desselben und seines Knaben die Schuld von sich abwiese. Aus allem diesen scheint uns vollkommen evident, daß die Gemeinde Horte nur gethan, was ihrem Rechte znstand und ihre Schuldigkeit forderte, als sie den Dr. Levit, resp. mit seinem unbeschnittenen Knaben als aus ihrem Verbände ausgeschlossen behandeln wollte. Wäre sie nur dabei geblieben! Hätte sie sich nur nicht durch die Erklärung des Dr. vor den Gesetzesrollen irre machen lassen! Eine Erklärung, die ja nur ganz geeignet war, die Berechtigung und die Dringlichkeit dieses Ausschlusses nur noch offenbar zu steigern. Denn diese Erklärung enthält ja nichts Geringeres, als die stillschweigende Voraussetzung und abseiten der Gemeinde das stillschweigende Zugeständniß, daß die Beschneidung nicht zur Religion unserer Väter, nicht zur Religion des Zudenthums gehöre! Sie erhält ja schon vollständig Das, was die Erklärung des Dr. Levit, womit derselbe die ״Göttlichkeit dieser Institution" in Abrede stellte, nur später weitläufig mottvtrte. Indem wir hier von dem Rechte, resp. der Pflicht jüdischer Gemeinden sprechen, in gewissen Fällen Mitglieder als aus ihrem religiösen Verbände ausgeschieden zu behandeln, resp. sie aus diesem Verbände auszuschlteßen, kennen wir vollkommen den Schrei, den diese unsere Zeilen von allen Setten zu gewärtigen haben. Wir fühlen auch vollkommen das. Mißliche, von religiöser Ausschließung in einer Zeit zu sprechen, in welcher gerade mit kirchlicher Ausschlteßung in andern Kreisen ein vielfach empörender Mißbrauch getrieben zu werden begtimt. Wir wissen sehr wohl, wie wir mit diesen Zeilen den Gegnern unserer Bestrebungen Gelegenheit bieten, leichten Kaufs, nach ihrer Weise, diese unsere Bestrebungen in den Augen einer nichtdenkenden Menge zu verdächtigen und sie mit hierarchischem Stigma gebrandmarkt mit allem Schund zusammen zu wersen, den wir, mehr noch als sie, aus dem Tiefsten unserer Seele verabscheuen. Aber eben weil wir uns bewußt sind, wie fern ab alle unsere Bestrebungen von allem hierarchischen Gelüste stehen, ja, wie sie ganz eigentlich demselben prinzipiell anfs tiefste entgegen