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Jeschurun · 1857-11-01 · Heft 2 (November 1857) · p. 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 2 (November 1857)
Article
Ein Stück Zeitgeschichte
Date
1857-11-01
Page
70 (sequence 9)
Language
German
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70 Jüdisches Gemktudewesen. sei, hätte dasselbe erfahren können, ob selbst nach seiner Religionsurkunde die Beschncidung ״einer finstern Zeit" ihren Ursprung verdankt, ob selbst die Stifter und Meister seiner Religion an die Möglichkeit der Abrogation der Beschneidung für einen im Zudenthum Geborenen geglaubt! Dort in der Apostelgeschichte Kap. 15 mag eine christliche Behörde, wenn sic denn einmal sich genöthigt sehen sollte, in Angelegenheit der Beschneidung ein Wort zu sprechen, dort mag eine jede es lesen, wie bei der christlichen Gemeinde zu Jerusalem selbst darüber geklagt worden, daß man Heiden in den christlichen Bund blos durch Taufe ohne Beschneidung aufnehme! In der Verhandlung darüber wird dort die einzig richtige Basis für daS Verhältniß des Judenthums zum Chriftenthum, sowie des Christenthuins zum Zudenthum gelegt, indem man davon ausging, daß allerdings für jeden im Jud. nthume Geborenen die Beschneidnng unerläßlich sei, indem sie nur für ans dem Hcidenthum ins Christenthum Aufzunehmende als nicht geboten und daher auch als nicht zu fordern zu erachten sei. Und cs dürfte eine christliche Staatsbehörde von der Beschneidnng der Inden als von ei!,er ״staatsgesetzwidrtgen Satzung" reden, die nur ein aus klimatischen und sanitären Umständen damals nothwendiger Gebrauch gewesen u. s. w., es dürfte eine christliche Staatsbehörde sich von Anschauungen moderner Juden also himetßen lasse», sic in ihren Erlassen öffentlich zu adoptiren, Anschauungen, die nicht nur dem Judenthume, die der Bibel überhaupt im höchsten Grade zuwider sind?! Doch dies nur nebenher. Wir haben hier den Hrn. Dr. Levtt zu betrachten und zwar ganz wie er sich gicbt. Aus welchen Erwägungen und Betrachtungen er sich seine Ueberzengungen aufgebaut, lassen wir ganz dahin gestellt. Genug, der Herr Doktor ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß er ״trotz seines rein jüdischen Glaubens, an die Göttlichkeit dieser Institution (der Beschneidüng) nicht glauben könne, sic vielmehr als einen barbarisch morgcnländischen Gebrauch betrachtet, der ״im glimpsitchsten Ausdrucke, in unser!» Klima gegen alle Cultur und Civilisation anstößt." Zn dieser Ueberzeugung ist derselbe — gleichviel wie — gekommen, diese Ueberzeugung hat derselbe öffentlich ausgesprochen, hat auf Grund dieser Ueberzeugung die Beschneidung bei seinem.Sohne un-

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