Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Ein Stück Zeitgeschichte
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 66 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Jüdisches GermLndewesen. Bestrebt er sich der Tracht des hohen Priesters Aaron nachzukommen? Nein, es gefällt ihm besser anstatt der hohen Aaron-Mütze ein Quadratel, statt des Brustschildes ein Cvllarium, statt das Bethtttch um den Kops zu Hullen, es lieber in Form einer Stola zu tragen; es ist so modern, dem Zeitgeiste angemessen. Wird nicht ״bei den ohnehin vagen Begriffen von Religion in der jüngsten Generation" eine solche Tracht, oder vielmehr ein solches Rabbintsches ״Zwittergeschöpf", wie jener Rabbi einen nachtheiligen Einfluß üben? Die edelsten von Moses gegebenen Humanitätsgesetze als: das Ueberlassen der Feldränder, der Erstlinge des Viehes, und der Früchte an Arme, das Zurnckstellen des Pfandes den Armen vor Sonnenuntergang u. a. m. werden nicht so exekutirt, weil die Erequirung mit einem materiellen (alles Eigenthum beschränkenden) Verluste verbunden wäre, und das arme Würmlein soll sich die Barbarei der Beschnetdnng gefallen lassen? Daß die Beschneidung eine schwere Verletzung, eine lebensgefährliche, tödtliche, bin ich, als Arzt, durch eine 16jährige Erfahrung vollkommen überzeugt und auch im Stande die vorgekommenen unglücklichen Fälle mit anthentischen Beweisen zu belegen. Es sind mir in meiner Praris sechs Fälle vorgekommen, die für die Kinder tödtlich abgelausen, acht, bet denen sie nur durch ärztliche Hilfe aus der größten Lebens-- gesahr gerettet wurden und ich bin überzeugt, daß jeder meiner College!!, wenn er unter Juden prakiizirt, mehr oder weniger solche Fälle aufzuweisen haben wird. Istdoch im Monate Juni heurigen Jahres das neugeborene Kind eines hiesigen Fabrikanten an Verblutung in Folge der von einem Arzte im Beisein des Dr. Ehrentheil vorgenommenen Beschncidung in wenigen Stunden gestorben, ja beinahe während des Klanges der Champagnergläser, die bei Gelegenheit dieses Festes geleert wurden, hauchte der Wurm sein Leben aus. Und das ist doch nach Rabbi Ehrentheil keine Barbarei und dem Zettgeiste angemessen, dagegen zu sprechen ist verwerfltche Sofistik. Die Unterlassung der Beschneidung bei meinem Sohne geschah nicht aus Mnthwillen, noch aus Neformationssucht: bet mir kamen die heiligsten Vaterpflichten in Collision mit einem veralteten Ceremonialgesetze, und daß crstere den Sieg davontrugen, wird jeder vernünftig Denkende leicht etnsehen. Es wäre grausam, einen Väter zu zwingen, sein Kind einer gefährlichen Operation zu unter-