Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Ein Stück Zeitgeschichte
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 65 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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65 Ein Stück Zeitgeschichte. gethan zn seinen Vätern oder in Abrahams Schooß gegangen" deduckt er folgender Maßen: ״״Die Beschneidung der Juden ist allerdings uralt, sic ist ein längst vor Gründung der mosaischen Religion eingesührter Gebrauch, sie kann daher nur als solcher und nicht als Charakteristikon des Judenthums, als Sakrament betrachtet werden. Alö solches müßte sie nur diesem allein ausschließlich zukommen; so aber haben nicht nur die Nachkommen Jsmaels diesen Gebrauch betbehalten und in den Islam übertragen, sondern auch die Egypter beschnitten, lange vor den Inden, die Kinder beiderlei Geschlechtes im 14. Jahre und so wird sie heute noch bei mehreren christlichen Volksstämmen Afrtka's gefunden. Moses bestätigte aus durch das heiße Clima lind die Lebensweise jener Völker bedingten Sanitätsrücksichten diesen Gebrauch, der dann, um bei seiner Nation Geltung zu bekommen, zur religiösen Ceremonie erhoben werden mußte. Hätte Dr. Jenner die Kuhyockcnimpsung in jener Zeit erfunden, so wäre Moses, um dieselbe bei seinem Volke einzusühreu, damals nichts übrig geblieben, als dieselbe ebenfalls zu einer religiösen Ceremonie zu erheben. Moses selbst ließ seinen Sohn auch nicht beschneiden, und erst als er zu seinem Volke nach Aegypten zurückkehrte, beschnitt einer mystischen Sage nach, seine Frau denselben mit einem scharfen Steine. Ebenso ließ er das ganze jüdische Volk durch 40 Jahre in der Wüste keine Beschncidung halten und es wird nicht in Abrede gestellt werden, daß es dennoch^ Inden waren. Das ganze weibliche Geschlecht gehört dem Juden-- thnm an, ohne dieses Charakteristikon, ohne dieses Sakrament: besteht es vielleicht auch nach Rabbi Ehrentheils Sprachgebrauche nur aus religiösen Zwittergeschöpsen? Ein Vater, dem die Kinder an den Folgen der Beschneidung gestorben, ist nach jüdischem Ritus dispenstrt, die folgenden Söhne beschneiden zu lassen, welche dennoch Juden sind und den klarsten Beweis geben, daß die Beschneidüng zum Judenthum nicht unerläßlich sei. ׳Schließt das Mißachten eines Ceremontalgesetzes vom Judenthum aus, so muß dieß bei allen der Fall sein; ist derjenige, der Schweinefleisch ißt, deßwegen kein Jude? Die uralte mosaische Justiz ״Aug für Ang, Zahn für Zahn" wird nicht mehr executirt, weil sie sich mit der Humanität unserer Zeit und unserer Landesgesetze nicht verträgt. Trägt der Rabbi Ehrentheil die Schaufäden an den Ecken seiner Kleider?