Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Ein Stück Zeitgeschichte
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 64 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Jüdisches Gemelndewesen. ein nnausweisltcheö Kriterium des Judenthums, sondern lediglich als ein.Gebrauch anzusehen sei, in Erwägung, daß nach dem Ansspruche unpartheitscher A-rzte diese ohnehin odiose Operation selbst lebensgefährlich sein kann; in Erwägung, daß schon in Horte mehrere tvdtlich endende Fälle dieser Art vorgekommen sind, und in Erwägung endlich, daß von keinem Amte ein fühlender Vater unter solchen Voraussetzungen gezwungen werden könne, eine lebensgefährliche, ihrem Ursprünge nach ohnehin einer finstern Zeit angehörige, verstümmelnde Operation vollziehen zu lasten, in Erwägung aller dieser Umstände findet sich das k. k. Bezirksamt nicht in der Lage, dem gestellten Begehren zu entsprechen, muß Ihnen, Herr Rabbiner, vielmehr rathen, bei dem Umstande, wo Dr. Levit den Knaben Vigor Elias dem Judenthume nicht zu entziehen willens ist — letzteren um so eifriger in den mosaischen Religionsgrundsätzen zu unterrichten, ihm das Leben in diesem Religionsbekenntniste um so eindringlicher als wünschenswerth, und den gottlichen Ursprung seiner Satzungen um so klarer darznstellen, als es nur aus diese Weise möglich, und gewiß ein um so größerer Triumph für Sie sein würde, daß der Knabe dereinst in das Alter der Selbstbestimung gelangt, sich freiwillig der oft erwähnten Operatton unterzieht, die er dann als entbehrliche Bedingung feines Glaubensbekenntnisses ansehen wird."" ״Mit dieser Entscheidung war Herr Adolf Ehrentheil keines- Wegs zufrieden, sondern machte seine Klage gegen Dr.,Levit nun bei der k. k. Statthalteret geltend. Ehe ich nun die statthalterltche Entscheidung ihrem Wortlaute nach mttthetle, will ich vorerst EinigeS aus der Verthetdigungsschrtst des Hrn. Dr. Levit ansühren. Nachdem Dr. Levit Eingangs seiner Rechtfertigung die Thatsache so erzählt, wie ich sie Anfangs meines Briefes angegeben, nachdem er die Behauptung Dr. Ehr ent Heils, daß die Geburt des Knaben in die Wirren des Jahres 1848 fiel, als lügnerisch zurückwetst, dem Doctor (da die Juden keinen eigentlichen Clerus haben) die ״Repräsentation der heiligen Religion ableugnet, und ihn als einen blos von der Gemeinde aufgenommenen ״Prediger und Ceremontenmeister" htnstellt, nachdem er noch auf die bezügliche Bemerkung in der Anklageschrift, die von einem ״seligen" Rabbiner spricht, sagt: ״ein Rabbiner kann nicht selig werden (?) sondern er ist ein-