Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 2 (November 1857)
- Article
- Cheschwan
- Date
- 1857-11-01
- Page
- 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Cheschwan. 57 mußten , damit es nur, in Mitte einer jüdischen Bevölkerung von drei bis vier Tausend Seelen, dem Einzelnen wieder möglich wurde, ״ach den Anforderungen deS Gewissens seine religiösen Pflichten za erfüllen? Sollen wir die Gemeinde nennen, in welcher Vorstände den Unterricht in Thorah und Thalmud polizeilich verboten, oder Regtcrungeii, die auf Antrieb von Vorständen und Rabbincn den hebräischeu Unterricht in den Schulen förmlich untersagten? Die Gemeinden nennen, wo Eltern durch Nabbinen gezwungen werden, ihre Kinder einen Religionsunterricht genießen zu lassen, der nach den lleberzeugungen ihres Gewissens ihren Kindern den Abfall von den heiligsten Lebenspflichten predigt? Die Gemeinden nennen, wo reformsüchtige Rabbiner ihren gesetzestreuen Gemeindeangehörigen Sy»azogen schließen, Sifre Thorah entführen, die am Rosch Haschanah- Abend zum Gottesdienste versammelte Gemeinde mit Polizcigewalt auseinandertreiben ließen, oder einen solchen Terrorismus übten, daß sich die Einzelnen zu einem Gottesdienste nach ihrem gesetzestreuen Gewissen in Keller flüchten oder auf freiem Felde in Gesellschaft der Raben stch versammeln mußten? Dies und Achnliches sind keine Reminiscenzen von Palästina her ans altersgrauer Vorzeit eines Jerobeams und Antiochus. Es sind das Thatsachen aus der lebensfrischen Gegenwart unseres deutschen Vaterlandes unter der Acgide eines die Gewissensfreiheit proklamirenden Jahrhunderts, es sind dies ״Zeichen unserer Zeit", zu deren Wiederholung die Prämissen überall gegeben sind — und es dürfte irgendwo und irgend je einmal der Einzelne das Ange zudrücken und sagen, wenn ich nur mein Haus jüdisch führe und meine Kinder jüdisch erziehe, für die Angelegenheiten der Kehillah kann ich nicht sorgen, und habe ich nicht zu sorgen? Da dürfte vor Allem ln unserer Zeit bei solchen Währ- und Warnezeichen nicht jeder Einzelne sich ausgernfen fühlen, stets das Auge wach und offen zu halten, auf daß die Angelegenheiten seiner Gemeinde nicht in das Geleise einer solchen Verirrung gerathen, auf daß wenigstens in seiner Gemeinde die Verhältnisse so geleitet und gesichert bleiben, daß wer Jude sein wolle, auch Jude sein könne, und er seinen Kindern und Enkeln wenigstens die Möglichkeit rette, Juden und Jüdinnen zu sein? Denn wahrlich, um nichts Geringeres als Das Han-